Donnerstag, 2. Februar 2017
Der asoziale Körperschubser in der Berliner S-Bahn und seine völlig verpeilte Einschätzung zur Lage der Nation
Die Naturgesetze unseres wahrlich einzigartigen und wunderbaren Planeten begleiten uns ständig und auf all unseren Lebenswegen. Ob man es will oder nicht - sie haben ihre Wirkung auf uns. Und das Ganze ist dabei völlig unabhängig von jeglicher Tag- und Nachtzeit - egal, ob es morgens ist, wenn man auf der Toilette den Ballast abwirft, der den Kreislauf der menschlichen Energiegewinnung (sprich oben rein und unten raus nebst Lebensenergie) abrundet, oder ob es abends ist, wenn unsere Augenlider den Kampf gegen die Schwerkraft verlieren. Erweitert auf den menschlichen Lebensabend verlieren dann auch bestimmte Körperteile des Homo Saphiens diesen im Doppelpack geführten Kampf - bei den Weibchen mehr oben rum und bei den Männchen eher ziemlich unten rum - aber beides hängt dann nutzlos in der Gegend rum - stimmt doch, oder? Gehört jedenfalls alles zu den Naturgesetzen und diese begleiten uns tagein tagaus - das dürfte jetzt also soweit geklärt sein...

Im 21. Jahrhundert, in dem wir gerade mit unseren wunderbaren Astralkörpern den deutschen Alltag meistern, ist es aber so, dass die Sammlung der Naturgesetze um ein weiteres - allerdings ungeschriebenes - Gesetz erweitert wurde, und in der Öffentlichkeit, in die hinein man sich nunmal desöfteren begeben muss, wird genau dieses Gesetz zunehmend mannigfaltig unverblümt praktiziert: "Lasse Deine schlechte Laune stets immer sofort und egal wo oder an wem aus - Hauptsache, Du bist sie los!" Tja, meine geneigte Leserschaft, Sie werden jetzt vielleicht schmunzeln oder auch gern mit hochgezogenen Augenbrauen zustimmend nicken - aber glauben Sie mir, dieses Gesetz ist doch tatsächlich mal falsch!!!

Und um das zu erklären, muss ich nochmals zurück in die Physik bzw. zu der Rubrik mit den überschüssigen Energien (Speicherung und punktgenaue Verwendung) bzw. zu dem bereits oben genannten Vorgang des Ballastabwerfens im Badezimmer - denn Eines ist ganz klar: schlechte Laune ist das Ergebnis angestauter und unverbrauchter Energie! Und um ganz bildlich zu werden und um auch die heutige physikalische Jugend mit in den Kreis der Wissenden aufzunehmen, hier der Verweis auf das allzeit bekannte Experiment: man werfe einen bestimmten Pfefferminzdrops in eine Cola - und? Richtig! Und die Cola kriegt sofort schlechte Laune!!!

Jep. Überschüssige Energien im menschlichen Körper gepaart mit einem niedrigschwelligem Bildungsgrad und kombiniert mit nicht vorhandenem Wissen über Anstand und Moral sowie situationsangemessenenem Sozialverhalten führt in der Lokalität eines öffentlichen Verkehrsmittels hier in unserer wunderbaren deutschen Hauptstadt zu oben demonstriertem Cola-Schlechtlaune-Effekt, wobei der unausgeschlafene Pfefferminzdrops gewillt war, seine negative Energie an mich abzugeben und ich ziemlich gelassen dieses morgendliche Geschenk gar nicht haben wollte...

Die Geschenkübergabe sollte dabei beim Vorgang des Aussteigens aus dem chronisch überfüllten Transportmittel vonstatten gehen. Vor mir versuchte ein Menschlein im Lebensabend diese Hürde vorsichtig konzentriert aber altersgemäß vernünftig langsam zu meistern - und hinter mir befand sich der aus dem Königshaus offensichtlich verstoßene Pfefferminzprinz mit seiner unkontrollierten überschüssigen Energie...

Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein! Das ist eines der Grundgesetze in der Physik. Und wo die Seniorin mit ihrem Rollator ist, da kann ich nunmal nicht sein. Gegen dieses Grundgesetz komme ich nicht an. Wenn ich es versuche, dann kommt es zu Kollisionen zwischen den Elementarteilchen - und das bringt wieder schlechte Laune und die will ja keiner haben! Also vor mir langsamer Rollator, hinter mir gestresste Prinzenrolle im Tiefflug - und die Energieentladung des Scherzkeks klang dann so: "Nich gucken! Laaauuuufen!" Vorher ist der asoziale Blödbommel natürlich absichtlich mit mir kollidiert, weil er aber unbewusst auch die Naturgesetze kennt, wollte er seinen beischlaflosen Körper dorthin schieben, wo mein - natürlich durchtrainierter!!! - Körper war, und schubste mich von hinten. So.

Da ich sehr gern demjenigen, der meinen Körper berührt, in die Augen gucke (ja, egal wie und wann und in welcher Sternenkonstellation), blieb ich stehen und drehte ich mich um, damit ich diese Kackbratze genau ins Visier nehmen kann. Und jetzt, meine geneigte Leserschaft, müssen Sie sich das Ganze in Zeitlupe (neudeutsch: Slowmotion oder handydeutsch: Slowmo) ansehen und vor ihrem inneren Auge ablaufen lassen! Diesem Armleuchter extrem in die Augen gestarrt, drehe ich mich seitlich aus dessen Umlaufbahn heraus. Er dreht sich zeitlich und um albern kämpferisch meinem Blick standzuhalten in die neue Umlaufbahn herein - und klack! Kollidiert mit dem Seniorenrollator trudelt er samt flacher hässlicher weil kackbrauner Aktentasche gekonnt um die Seniorengehilfe herum - wobei er immer noch versucht, Augenkontakt zu halten - um dann aber der Erdanziehung zu trotzen und um wieder den aufrechten Gang eines Homo Saphiens einzunehmen, musste er aufhören zu glotzen, damit er dann in die überhöhte Geschwindigkeit seines Vektorenflugs zurückfand, der schlussendlich auf einer der Rolltreppen enden sollte, die in der Station Ostkreuz nach unten führten...

Und genau da gehörte er auch hin! Nach unten! In die unterste Schublade! Ich hatte für mich schon nach einer Millisekunde nach meinem Körperscan festgestellt, dass dieser Kollisionskandidat es definitiv nicht wert war, dass ich Zeit, Energie oder gar Worte an ihn verschwende. Dieser Körperschubser war es einfach mal nicht wert, meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Da mich seine Aktion im doppelten Wortsinn peripher tangierte (ging mir also am Arsch vorbei), habe ich es genau dabei belassen. Ich habe mich noch kurz versichert, ob das Seniorenmenschlein ungeschädigt ist, und da das so aussah, bin dann auch ich in Richtung meiner Broterwerbsstelle weitergewandert...

Wissen Sie - das mit dem Kollidieren von Körpern ist so eine Sache... Oft ist das Ganze völlig unerwünscht und manchmal ist es sogar erhofft! Aber hier den Unterschied herauszufinden, das ist die Kunst im Leben! In bestimmten Momenten geht es sogar manchmal soweit mit den Kollisionen, dass man nicht nur Kollidieren sondern sogar Verschmelzen möchte - können Sie mir gedanklich folgen? Dann bitte jetzt schmunzeln! Aber dieses wunderbare Verschmelzen nebst der dazugehörigen Gefühle ist leider nicht Gegenstand dieses Textes über Alltagskollisionen - ich bin untröstlich!

Aber überlegen wir mal zusammen, was der dusslige Drängelschubser eigentlich erwartet hatte!? Wie sollte sich die Nation seiner Einschätzung nach nochmal verhalten? ("Nicht gucken! Laufen!", hatte ja der Blödmann gesagt.) Sollte ich mich vielleicht spontan in Luft auflösen? Das versuchen ja andere Leute mit der Autohupe oft bei ihren Mitmenschen zu erreichen - aber klappt das? Sollte ich sagen: "Aber ja doch, Eure Hoheit, für Sie mache ich schlagartig den Weg frei und vergesse mich selbst und das Leben, welches ich führe!"? Oder wie ist es mit: "Moment! Ich suche mir schnell einen Baum, auf den ich klettern kann!"? Ist am Ostkreuz wenig praktikabel - aber nur eine Station entfernt, am Treptower Park, da wäre dies möglich! Da stehen nämlich tatsächlich echte Bäume auf dem Bahnsteig! Fahren Sie hin und staunen Sie, wenn Sie mir nicht glauben! Aber egal wie - die große Bollmann-Frage ist doch: Was soll der Scheiß? Warum schubst der Typ? Muss denn das sein? Muss man denn immer seine Mitmenschen ärgern? Muss man sich denn ständig in deren Leben einmischen? Warum können die Leute nicht friedlich miteinander leben? Und warum zum Geier müssen sie ständig ihre schlechte Laune an unschuldigen Geschöpfen auslassen???

Und genau das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe! Erklär`sie mir - ich find`sie nämlich blöd!

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Mittwoch, 28. September 2016
Die nutzlose Flugbegleiterin und meine Versuche, ihr unangemessenes Mundwerk auf ein professionelles Maß zu reduzieren
Ein guter Mensch zu sein, ist im jetzigen 21. Jahrhundert wirklich nicht leicht... Echt nicht!!! Mehr noch sogar - heutzutage ist es mitunter verdammt schwer, ein guter Mensch zu sein. Und wenn man dann selbstloses Gutes tut, dann wird es nicht als solches erkannt - stimmt`s? Die Menschen von heute haben leider in letzter Zeit so viel Schlechtes erlebt, dass sie es nicht glauben können, wenn ihnen etwas Gutes widerfährt - ja mehr noch, sie lehnen es ab, und zwar aus Angst, enttäuscht und abermals verletzt zu werden, da die alten Wunden noch lange nicht verheilt sind...

Was das mit dem Titel dieses Textes zu tun hat??? Tja, wenn Sie das schon vorher wüssten, dann bräuchten Sie ihn nicht zu lesen! Sie, meine geneigte Leserschaft, haben immer die Freiheit, zu wählen - in diesem Fall zwischen zwei Möglichkeiten: weiterlesen oda nich... So. Und denjenigen, die sich schon mal für Option eins entschieden haben, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Handlung dieser Anekdote - welche Überraschung - in einem Flugzeug spielt! Das hätten Sie nicht vermutet? Doch, doch, doch! Unglaublich, aber wahr - Flugbegleiterinnen trifft man bei ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit in einem Flugzeug...

Genauer gesagt stand dieses weibliche Exemplar in der Mitte des Flugobjektes, lässig die Arme auf die XL-Sitze am Notausgang stützend und ihren Job machend, indem sie die Fluggäste beim Einsteigen und Platz nehmen penetrant freundlich und überschwänglich begrüßt. Kennen Sie das, wenn Sie genau merken, dass die Freundlichkeit der Person Ihnen gegenüber nur gespielt ist und Sie innerlich das Gefühl haben, welches mit der Frage mitschwingt: "Wie widerlich ist das denn?" Zwischen "widerlich" und "herzlich" begrüßt werden, ist nämlich ein großer Unterschied, und es gibt Gott sei Dank noch ausreichend Mitmenschen, die diese Differenz heraushören bzw. sich die Mühe machen, dies zu tun...

Ich bin eine von den Personen, die beim Fliegen ziemlich entspannt bleiben. Ich liebe das Fliegen und ich liebe das Reisen. (Für die Freunde der Umwelt und des Naturschutzes sei hier nur kurz protokolliert, dass ich meinen ökologischen Fußabdruck an anderer Stelle arg verringere - zum Beispiel, indem ich kein Auto besitze sondern Fahrrad fahre - jetzt allet wieda schick? Prima!) So war ich also wie alle anderen Reisenden mit dem Einnehmen meines Sitzplatzes beschäftigt sowie damit, mich mit den Dingen zu umgeben, die den Flug in der Holzklasse dann doch individuell gemütlich machen - Kuschelsocken, Decke für die Knie, Kissen als Lordoseunterstützung, Feuchtigkeitscreme wegen der Klimaanlage, gutes Buch oder gute Zeitschrift usw. und so fort...

Aber die Sache mit den Zeitschriften gestaltete sich dann doch arg schwierig - bitte lesen Sie selbst! Auf Grund der angespannten politischen Lage meines Reiselandes war der Flieger nur so etwa ein Drittel voll und auf Grund eines unerklärlichen Grundes saßen ca. 75 % dieses Fliegedrittels im hinteren Viertel des Luftschiffes - man man man... Naja... Dem geballten Leseinteresse der zusammengewürfelten Masse geschuldet, kam es bei der Verteilung der Zeitschriften zu frustrierenden Engpässen, die ich gänzlich inakzeptabel fand - an mangelndem Lesestoff sollte es ja wohl hier nicht scheitern...

Wer öfter fliegt, der weiß, wie verschiedene Fluglinien mit dem Verschenken des geschriebenen Wortes so umgehen... Diese, meine favorisierte Fluggesellschaft (Never change a winning team!) hatte ihre Zeitschriften stets fest an Bord bei zwei verschiedenen Sitzreihen gelagert, die mir schon lange bekannt waren. Mit Lagern meine ich hier sozusagen einen waagerechten Zeitungsständer im Gepäckbereich, an dem sich der Fluggast nach seinen individuellen Wünschen etwas heraussuchen kann. So weit, so gut...

Da ich dann im Sitzen immer öfter die Szene mitbekam, dass jemand gern eine Illustrierte hätte und leider beim Blick in das leere Fach erkennen musste, dass diese schon aus waren, entschloss ich mich, hier Abhilfe zu leisten. Wenn mir eine Situation nicht gefällt, und ich denke, dass ich in der Lage bin, diese zu verbessern, dann tue ich das... Die begrüßende Flugbegleitung hatte diese Szenerie übrigens auch mitbekommen und sah generös darüber hinweg.

Gesagt. Getan. Boarding war noch nicht "completed". Es fehlten also noch ein paar Hanseln. Und die Anschnallzeichen leuchteten auch noch nicht auf. So ging ich in der Vorfreude darauf, meinen Mitmenschen und mir etwas Gutes zu tun, in den vorderen Teil des Flugzeuges und nahm von jeder Sorte eines bunten Heftchen genau ein Exemplar mit. Als ich mit dem Herausnehmen beschäftigt war, fragte ich noch kurz fröhlich in die Runde: "Möchte noch jemand, der hier Anwesenden, wenn ich schon mal dabei bin?" Eine mit Bildern vom Sport, und eine mit Bildern von Autos und eine dritte, die wie eine Freundin klingt, wurden noch schmunzelnderweise geordert - ist ja kein Thema für mich - manchmal ist man halt ein Verteiler...

Mit dem Stapel der Hefte, die ich bei mir im hinteren Teil an die Allgemeinheit weiter reichen wollte, ging ich vergnügt und beschwingt zu meinem Sitzplatz, als ich die überschminkte Dame, die ich schon eingangs erwähnte, passierte und diese sich dann zu folgender Bemerkung hinreißen ließ: "Na Sie haben sich ja toll eingedeckt! Ich hoffe, Sie haben alles gefunden!" "Ja, vielen Dank! Ist nicht alles für mich, ist auch für die Anderen!", entgegnete ich bloß. Man muss nicht auf jeden unqualifizierten Text eingehen - das nennt sich Gelassenheit und ist eine spitzen Sache! Bis auf eine einzige Zeitschrift, die sich mit dem Thema Tauchen beschäftigt, hatte ich dann alle anderen an den Mann bzw. an die Frau gebracht, und Zufriedenheit machte sich um mich herum breit, was wiederum auch mich zufrieden machte...

Die schnippische Stewardess aus der Mitte tingelte jetzt nach hinten, um die gängigen Startvorbereitungen zu treffen (und nein, ich werde den Begriff "Saftschubse" in meinem Text nicht verwenden). Ich began zu lesen. Die Fluggäste um mich herum wurden auch ruhiger, Schnippenmäuschen aus der ehemaligen Mitte wurde aber bei ihrem Smalltalk über die heutigen Passagiere immer lauter. Und dann drang doch glatt dieser Text bis zu meinem Ohr vor: "Haste die gesehen, die sich gleich ein ganzes Bündel Zeitschriften unter den Nagel reißen musste? Für die Anderen, hat sie gesagt. Wahrscheinlich meint sie ihre vielen imaginären Freunde zu Hause..." Der Tonfall war abwertend. Und die Trine kicherte noch hämisch...

So. Geeeeeenau. Da war sie wieder! Die Truppe bildungsferner Schnösel, die sich über Andere lustig machen, aber überhaupt nicht wissen, worum es hier eigentlich geht. Diese Truppe, die keinen einzigen Gedankengang damit "verschwendet", was denn der Hintergrund einer menschlichen Handlung sein kann. Diese Truppe, die Dich sofort von irgendeinem kleinen Detail her, in eine Schublade drückt, in die Du höchstwahrscheinlich gar nicht hineingehörst. Und da ich nicht vom Stamme "Habgier" und "Nimmsgern" bin, sondern eher ziemlich weit davon entfernt, gab es hier meinerseits und auch im Hinblick auf den Verweis auf eine geistige Krankheit dringend Handlungsbedarf, um der Flugbegleiterin mal kurz zu verdeutlichen, auf welcher geistig niedrigem Stufe sie sich eigentlich gerade befindet...

Das Ganze hatte ich kurz verschriftlicht und der Purserin (Chefin vons Janze) in die Hand gedrückt und dann mal cool abgewartet, welche Reaktion erfolgt... Purserin läuft von ganz vorn nach ganz hinten. Vorhang wird zugezogen. Deutliches Levitenlesen wird hörbar, aber ist im Wortlaut unverständlich. Purserin läuft wieder sehr energisch ans vordere Ende des Flugzeugs. Vorhang wieder zu. Purserin kommt kurz darauf zu mir und entschuldigt sich für das inakzepteble Verhalten ihrer Mitarbeiterin. Und die professionelle Purserin bietet mir dazu auch noch eine Wiedergutmachungsleistung in Form von Süßigkeiten oder Sekt an. Da ich aber lieber etwas von den free give-aways aus der Kinderkiste haben wollte, nämlich ein kleines Gedächtnisspiel, begleitete ich sie in den Vorderbereich, wo dann auch nochmal eine Kollegin betonte, dass gezeigtes Verhalten ein No-Go ist. Die freche Flugbegleiterin hatte darüberhinaus die Anweisung erhalten, sich persönlich bei mir zu entschuldigen...

Sie kam dann später auch und entschuldigte sich mit den Worten, dass sie das nicht so gemeint hätte. "Wenn Sie mich kennen würden, dann wüssten Sie, das das nicht so gemeint war!" Der Ton macht die Musik. Die Entschuldigung war nicht ernst gemeint. Und die Trulla versuchte das doch glatt mit einem fiesen Lächeln zu bagatellisieren. Und dann ist mir die Hutschnur geplatzt: "Pass` mal auf, Mäuschen, es nicht MEINE Aufgabe, Sie zu kennen! Aber es ist IHR JOB, meine Wünsche als Fluggast zu kennen! Aber das überschreitet offensichtlich Ihren geistigen Horizont! Kann ich dann jetzt endlich in Ruhe meinen Flug genießen oder kommt noch mehr blödes Geschwafel aus ihrem Mund?" Oh. Mund verstummte. Person drehte sich um und ging. Ziel erreicht.

Was das eigentliche Ziel war? Ganz klar! Menschen, die Grenzen überschreiten, in ihre Schranken zu verweisen. Wenn arrogant und überheblich dazu notwendig ist, dann kann ich arrogant und überheblich. Aber Spaß macht mir das nicht. Dennoch ist es manchmal notwendig - und zwar dann, wenn meine Lebensqualität leidet - anderen Menschen unverkennbar klar zu machen, wie viel sie sich in mein Leben einmischen können und wie viel eben nicht. Die Freiheit des einen Menschen hört genau da auf, wo die Freiheit des anderen Menschen anfängt - stimmt`s? Thema beendet. Tauchzeitschrift ausgelesen. Gedächtnisspiel mit Sitznachbar gespielt. Und butterweich im schönen Berlin gelandet.

Joah, meine geneigte Leserschaft... Wann kommt es eigentlich zu zwischenmenschlichen Konflikten? Hm? Antwort ganz allgemein: wenn jemand einen Fehler macht. Antwort etwas erweitert: wenn sich jemand nicht an bestehende Regeln hält und/oder zu übergriffig auf das Leben eines anderen Menschen ist. Jetzt wissen Sie es! Vielleicht nützt Ihnen diese Wissen in Ihrem Leben - ich würde sehr mich freuen!

Aber nochmal kurz zurück zu der Flugbegleiterin mit dem losen Mundwerk... Was war eigentlich los mit der Tante? Hatte die keinen Bock auf ihren Job? Hatte die in der Nacht davor keinen oder nur schlechten Sex? Möchte diese Dame nur den "klassischen Fluggast" - hinsetzen, Klappe halten und mich nix fragen? Warum macht sie sich so primitiv über mich lustig? Ist sie aus der Fraktion "Ich-muss-Andere-erniedrigen-um-mich-zu-erhöhen-weil-ich-sonst-nix-kann"? Hat sie versucht, Gleichgesinnte zu finden? Warum halten es manche Menschen für so wichtig, so häßlich zu klatschen und zu tratschen? Und überhaupt, warum denken manche Leute, sich ein Urteil über jemanden erlauben zu dürfen, den sie nicht im Geringsten kennen? Was soll das???

Und das ist dann auch noch die Welt. in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Donnerstag, 8. September 2016
Die Psychopathin, die mich erst am Arm packte und danach dann nur noch mucksmäuschenstill war
Mein wunderbarer uckermärkischer Jugendpfarrer hat immer zu mir gesagt, wenn mir mal ein schlechter Mensch begegnet, der auch noch andere Menschen schlecht behandelt, muss ich es ihm sofort ins Gesicht sagen, dass er schlecht ist! Und was soll ich Ihnen sagen, meine geneigte Leserschaft, ich habe dies beherzigt und praktiziere dies im täglichen Leben sofort wenn nötig - aber bei dem Echo, was dann oftmals zurückkommt, sollte man sich auf jegliche unqualifizierten Reaktionen vorbereiten, die man sich nur denken kann...

So auch letztens! Und das war ziemlich im Wolf-im-Schafspelz-Modus - oh ja! Aber die in der Überschrift schon angekündigte weibliche Person war im Grunde nur eine durchgeknallte Furie. (Für alle, die sich über dieses charmante Fabeltier belesen wollen - jetzt bitte schnell nochmal das eigene Wissen auffrischen - hier im selben Kommunikationsmedium findet sich bestimmt etwas...) Die Lehrerin von Percy Jackson entpuppte sich als Furie, weil sie den Herrscherblitz bei ihm vermutete - vielleicht haben Sie jetzt ein gutes Bild vor Augen, falls Sie diese Phantasie-Geschichte kennen...

Na jedenfalls stehe ich als das Ganze passierte neben einem wunderbaren Mann, der ohne Zweifel mein seelenverwandtes Gegenstück ist bzw. sein sollte und wollte ihm eine liebevoll ausgesuchte Postkarte samt den darauf befindlichen Worten ans Herz legen, als das aggressive Untier, welches gern meine Position hätte, meinen rechten Bizeps packen musste. Dusslige Menschen ohne Argumente müssen sich heutzutage leider immer öfter an fremden menschlichen Körpern auslassen, habe ich immer mehr den Eindruck - oder was meinen Sie?

Kraft meiner köstlichen Berliner Wassersuppe und eines ausgeklügelten Trainingssystem hatte die Oberarmpackerin aber schon gleich danach nicht mehr sonderlich viel zu melden! Ob es ihr noch gut gehe, frage ich sie ziemlich gelassen und sah sie dabei maximal abwertend an. Ich dachte eigentlich, sie sei eine intelligente Frau, aber mich anzupacken ist ja wohl völlig asozial und primitiv - versuchte ich sie geistig zu erreichen. Aber da griff auch schon mein Seelenengel ein und rief laut: "Loslassen! Aber sofort!" Die Bizeps-Furie erstarrte zur Salzsäule, setzte sich hin um sofort eine Zigarette zu rauchen und schwieg mit dem Rücken zu uns ziemlich peinlich betreten...

Was einem beim Postkartenangucken alles so widerfahren kann - oder? Immer wieder muss man seine Seelenverwandten vor widrigen Angriffen humaner Neider schützen - das ist doch echt unglaublich! Ich jedenfalls legte danach meine Hand auf sein Herz und sagte mit warmer Stimme: "Irgendwann musste das ja eskalieren, das wussten wir beide..." Ein kleines süßes Blinzeln, ein noch kleineres aber mehr verschmitztes Schmunzeln - und uns beiden war klar, dass uns niemand je etwas antun kann! Dieser Moment rauschte mir in die Knie und zurück und erfüllte mich mit bedingungsloser Liebe... Oftmals braucht es nicht viel und zwei Menschlein wissen sofort, dass sie füreinander bestimmt sind - aber sowas von! Bis in die ewige Steinzeit und elf Steine weiter...

Sie fragen, was die erstummte Anpackerin eigentlich wollte? Wissen Sie, das wüsste ich auch gern! Dass sie gegen uns zwei Engelsseelen keine Chance hat, dürfte ihr nämlich schon Lichtjahre bekannt sein - völlig egal, wie oft sie sich dazwischen wirft! Und ein anständiger Bodycheck mit Muskelüberprüfung sieht auch anders aus! Manche weiblichen Giftzwerge kapieren einfach wahrlich nie, dass sie sich durch solche Aktionen einfach nur lächerlich machen und sich den verweilenden Ruf einer Geisteskrankheit einhandeln...

Aber warum können die Menschen von heute nicht mehr respektvoll miteinander umgehen? Warum bleiben sie nicht auf der Sachebene, sondern rutschen immer eins fix drei in die emotionale Schiene ausgeschmückt mit Sprachkreationen aus der Fäkalsprache nebst Beleidigungen unserer Tierwelt - oder ist eine Ziege wirklich blöd? Neid ist die höchste Form der Anerkennung - ganz ehrlich Ihr Lieben, aber warum müssen diese Ghettobitches immer gleich draufhaun? Hm? Wenn die Trulla selbst wenigstens schlagende Argumente gehabt hätte, aber sie ist nur ein verhärmtes, farbloses Unkraut und dabei meilenweit entfernt von jeglichem Liebreiz - einfach völlig zu vernachlässigen...

Ich hauchte meinem Gegenstück noch ein kleines Küsschen auf die Wange und radelte von dannen. Ich denke mal, dass wir beide bei der verträumten Betrachtung der schönen Postkarte beim nächsten Wiedersehen ansetzen werden - diesmal ohne Fremdkörper! Wenn das mal nicht Liebe ist, Ihr Liebenden!

Tja. Die 7 Todsünden verstecken sich heute wahrlich hinter jedem harmlosen Zeitgenossen - oder? Das Gesetz der Straße bzw. das Gesetz des Stärkeren erfährt wieder ein Revival. Und manchmal hat man lediglich 2 Optionen - entweder Dein Gegenüber kriegt eins auf die Mütze oder Du selbst - ich bin für Ersteres - Sie auch? Aber mal ehrlich - warum sind die Leute so aggro auf alles Schöne? Warum wollen sie etwas offensichtlich Harmonisches immer gleich zerstören? Der Mensch ist ein soziales Wesen - aber wo zum Henker kommt diese überkandidelte Rivalität her? Oder muss man sportliches Messen jetzt anders definieren? Sind die Menschen nicht mehr in der Lage, Konflikte intelligent oder gar sportlich fair auszutragen? Findet man nur noch gewaltbereite Psychopathen um einen Herum? Wo sind denn all die sympathischen pazifistischen Blumenkinder hin - hm?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir! Ich find`sie nämlich blööööd!

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Donnerstag, 11. August 2016
Der karierte Schnösel mit der gepunkteten Fliege und seine billig aufgetakelte Kundin vom Arbeitsamt
Kennen Sie das, wenn Ihnen so ein Mensch begegnet, der so dermaßen unverschämt arrogant ist, dass demjenigen eigentlich nur noch ein Arschtritt oder eine Ohrfeige hilft?? So ein Armleuchter, dem man schlagartig die schwarze Beulenpest an den Hals wünscht und einen ausgewachsenen Tripper in den Schritt?? Dem man alle Schwiegermonster der Welt zugleich gönnen würde und den man so tief ins Klo tauchen würde, dass er nie wieder auftaucht?? Haben Sie ihn vor Augen?? In seiner ganzen widrigen Abscheuligkeit?? Prima! Denn genau von so einem ausgemachten Charmebolzen handelt diese kleine Anekdote - auf geht`s!

Um eine Handlung dimensionsartig richtig einzuordnen, braucht es immer Ort und Zeit des Geschehens - so befinden wir uns ganz entspannt an einen Heizkörper gelehnt im Servicebereich einer Bank im hiesigen deutschen Berlin des 21. Jahrhunderts und warten gedankenverloren und geduldig darauf, dass einer der beiden Serviceterminals frei wird. In diesem Vorraum des Finanzinstitutes befindet sich auch noch mehr elektrotechnisches Spielzeug - als da wären Kontoauszugsdrucker, Geldautomaten und Briefmarkenausspucker sowie ein lustiger Apparat, in den man einfach mal sein geschlachtetes Sparschwein kippen kann und der einem das Münzenzählen abnimmt! Ist das nicht eine tolle Zeit, in der wir leben? Unfassbar - oder?

Als ich also in kurzer situativer Ermangelung eines männlichen Homo Saphiens wartend mit dem Heizkörper kuschle, betritt ein Pärchen die Szene und verausgabt sich lauthals gackernd am Geldautomaten. So weit so gut - solln se alle machen - stimmt`s? Warum man aber soviel Aufhebens wegen der dann sportlichen Summe von 20 Euro macht, entzieht sich dann doch meiner Kenntnis der Dynamik menschlicher Paarbeziehungen...

Was diese beide Turteltäubchen allerdings völlig vereint, ist ihr schlechter modischer Geschmack. Erst dachte ich, sie seien unterwegs zu einem überkandideltem Theaterbesuch, dann tippte ich, sie seien selbst einer rotzbilligen Dreigroschenoper (heutiger Terminus: Low-Budget-Produktion) entsprungen und dann konnte ich aber schnellstens erkennen, dass die Zwei einfach nur geschmacklose Aufschneider sind...

Woran man das sieht? Nun ja. Hierzu muss man sich dann doch ein wenig in Mode, Stilfragen und Kulturepochen auskennen und diese Frau-Mann-Kombination mit all seinen Sinnen abscannen und katalogisieren. Aber wo fange ich da bloß an? Hm... Am Besten bei ihm! Der Schnösel trug am helllichten Tag um die Mittagszeit eine gepunktete Fliege um den Hals, dazu ein senkrecht gestreiftes Hemd (ohne Unterhemd - ein Mann von Welt macht solchen Fehler nicht!), über dem Hemd trug er kackbraune Hosenträger, die seine faltige karierte Stoffhose ordentlich in seine Arschritze hineinklemmte, seine Füße steckten samt ausgeleierten Sportsocken in einem Paar noch mehr ausgeleierter Schuhe. Ein Frisur war das nicht, was er auf dem Kopf trug; und sein Körpergeruch war billig-fuselig, als hätte er mehrere Duftwässerchen wahllos über seinen paraolympischen Körper verteilt... Joah... So ein Mitmensch stand also ungefähr 2 Meter von mir entfernt.

Sein weibliches Pendant ist mir einer ausführlichen Schilderung nicht wert. Soviel sei aber gesagt - sie trug ein billiges Einmal-Outfit, dessen Höhepunkt der Klebstoff war, der über den hellbraunen Plastiksohlen ihrer blauen Kunststoffpumps herausquillte.

Jetzt, da einer der beiden Serviceterminals frei wurde, ging ich, die ich schon länger darauf gewartet hatte, zu diesem hin, und begann mit meinen Erledigungen - als das aufgetakelte Weibchen diesen Spruch machte: "Wo kommt die denn her? Tzz... Kunden schickt das Arbeitsamt..." Ich drehe mich kurz um, mustere sie mit einem abwertenden Blick und schmunzle die andere Frau an, die am zweiten Terminal stand und kurz ihre Augenbrauen hochzog. "Kann ja wohl nicht wahr sein...", echauffierte sich das Billigpüppchen weiter, ihr Fliegenschnösel pflichtete ihr untertänigst bei.

"Falls Sie es noch nicht gemerkt haben - Sie leben nicht allein auf dieser Welt! Willkommen in Berlin!", trällerte ich ironisch, während ich dem Touchscreen verklickerte, was er zu tun hat. "Kann ja wohl nicht wahr sein!", plusterte sich der Arschritzengockel ebenfalls auf. "Doch, doch! Ist absolute Realität! Und gängiges Gesetz: wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Gilt auch in einer Bank!", verarschte ich die beiden Dummschwätzer. "Wollen Sie mich etwa anmachen?", trotzte das kleine Brülläffchen jetzt. "Nee, nee! Auf solche Geschmacklosigkeiten stehe ich nicht.", entgegnete ich immer noch ziemlich gelassen. Streifenhemdchen musste aber einen auf männlichen Superheld machen und explodierte fast: "Wollen Sie mir etwa drohen?" Oh nee...

"Jetz bleiben Se ma jeschmeidig, ok!", äußerte ich ziemlich gelangweilt und zog meine Plastikkarte aus dem Automaten. "Man soll den Menschen ihre Verhaltensweisen spiegeln, heißt es immer, aber so einen Riesenspiegel wie Sie offensichtlich brauchen habe ich jetzt gerade nicht in meiner Handtasche!", damit verwies ich den Möchtegernmacho hoffentlich auf seinen Platz. Aber das 2. Terminal wurde frei, das Paar ging hin und totterte zusammen weiter auf die Szene ein... Bla bla bla...

Ich steckte immer noch ziemlich geerdet und unbeeindruckt meinen Kontoauszug ein und meinte zum Abschied: "Ich glaube an die höhere Gerechtigkeit! Und wenn Ihnen in nächster Zeit etwas Schlechtes passiert, dann verschwenden Sie doch kurz einen Gedanken an mich! Ich habe es Ihnen gesagt!". Stammel stammel, totter totter, Mutti rang nach Atem, Vati kämpfte mit seiner Gesichtsröte usw... Die Szene war zum Piepen! Die Wartenden hinter uns hatten mittlerweile auch erkannt, welch durchgeknallte Typen der Modegockel und das Billigarbeitsamtmäuschen waren... Wahrscheinlich gehörte das versuchte Blödkommen zu Mitmenschen zu dem Vorspiel der beiden Dussel - anders kann man sich dieses animalische Aufplustern echt nicht erklären...

Man muss sich mal vorstellen, welchen Aufwand die betreiben! Anstatt einfach nach der Klärung der "Gehen-wir-zu-mir-oder-zu-Dir-Frage" die Tür zu schließen und sich die Klamotten vom Leib zu reißen, machen die beiden erst einmal alle Türen auf, stolzieren durch die Öffentlichkeit und ziehen sich dabei geschmacklose Kleidung an! Was genau haben die beiden eigentlich nicht verstanden??? Na, da brat Dir doch einen Storch! Oder??

Nix gegen die bezaubernden Liebespärchen im Alltag, die alles um sich herum vergessen! Bei denen Raum und Zeit keine Rolle spielt und das einzige modische Accessoire ihre rosarote Brille ist! Solch ein Turteltäubchenpaar muss sich aber nicht zwangsweise erhöhen, indem es versucht, andere zu erniedrigen! Im Gegenteil! Beim Knutschen am Kühlregal oder an der Supermarktkasse oder sonstwo versprüht diese Art verliebter Mitmenschen sogar noch eine Menge Glück und Harmonie an seine Umgebung - also auf keinen Fall vergleichbar mit "Fliegengockel & Arbeitsamtkundin"...

Aber man fragt sich doch trotzdem, was eigentlich in den Köpfen von solchen Kackbratzen vorgeht - oder? Ach, Sie meinen, das wäre Zeitverschwendung, weil diese Köpfe einfach nur hohl sind? - Ist ein gutes Argument! Da haben Sie völlig Recht! Oder bin ich hier vielleicht diejenige, die einen Fehler gemacht hat? Hätte ich das Angeber-Pärchen vorlassen sollen, damit die schneller in die Kiste hüpfen können? Möglicherweise hätte ich der Allgemeinheit damit etwas Gutes getan - dann wären die Zwei endlich weg vom Fenster! Oder hätte ich nachgiebig Rücksicht darauf nehmen sollen, dass Leute mit so einem modischen Fehltritt am Leib selbstverständlich Priorität haben? Bin ich etwa moralisch dazu verpflichtet, die Klamotten der beiden zu verbrennen? Dann wären sie immerhin schon nackt - bitte schmuneln! Man, man, man - da bleibe ich lieber optisch unterrepräsentiert als mich solch einer Lächerlichkeit preiszugeben!

Aber was sagen Sie dazu? Hätten Sie die Vordrängler gewähren lassen? Machen heutzutage auch Billigkleider Leute? Ist je öller je döller? Wäre es Verschwendung geistiger Energie, solchen Zeitgenossen seine Aufmerksamkeit zu schenken? Gibt es vielleicht eine mathematische Erklärung dafür, warum die Zwei so hässlich gekleidet waren? Muss man heute so aussehen, als wäre man von einem blinden Religionslehrer angezogen worden? Hat die Kleiderordnung beim Arbeitsamt einen negativen Einfluss auf seine Kunden? Oder warum trifft man heutzutage an jeder Ecke Menschen mit einer hohen Form extrem dynamischer Inkompetenz im Modebereich? Hm?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär` sie mir, ich find` sie nämlich blöd!

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Sonntag, 12. Juni 2016
Die nicht ausprobierten Cremepröbchen aus dem Briefkasten und deren unweigerlich trauriger Zusammenhang mit der Welt, die uns alle tagtäglich umgibt
Eigentlich handeln meine Texte in diesem Internetmedium immer von Menschen, bei denen es menschelt. Einzige Ausnahme bis dato war mein gescheitertes Sandförmchen-Experiment. Da meine allgegenwärtige Aufmerksamkeit aber mit Vorliebe den kleinen Dingen des Lebens gilt und ganz speziell den Dingen, die die meisten Menschen definitiv für unwichtig halten, geht es heute um westdeutsche (!!!) Cremepröbchen bzw. um deren achtloses Wegwerfen nach freizügigem Geschenktwerden - menno!

Wer an dieser Stelle nicht weiterlesen möchte, kann dies tun! Die Macht in einer zwischenmenschlichen - und in unserem Fall zwischenleserlichen - Beziehung hat immer der, dem sie egal ist. Kurze Denkpause... Mit dem Entschluss des Weiterlesens... Habe ich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit? Na dann - auf geht`s!

Es gibt ein englischsprachiges Sprichwort, das ungefähr so geht: You have 10.000 spoons and all you need is a knife. In der schönen deutschen Sprache käme dies in etwa dem gleich: Man hat alles, was man sich wünscht, aber nicht, was man wirklich braucht. (Wenn man zum Beispiel auf seiner Hochzeit eine Traubenschere geschenkt bekommt, für die Weintrauben, die man gar nicht so gern isst, weil man lieber einen selbst gepflückten Apfel von einem wildwüchsigen urdeutschen Apfelbaum verputzt, den man gemeinsam entdeckt hat.) Und in Hinarbeit auf unsere Cremepröbchen wandeln wir eingangs erwähntes Sprichwort so ab, dass es jeder bundesdeutsche Verbraucher unmissverständlich versteht: Jetzt haben wir schon den Goldenen Westen und sind immer noch nicht glücklich!

Ergibt sich also die Frage: "Woran liegt das (zum Teufel nochmal)???"

Wenn man in einen (politischen) Rahmen gequetscht wird und zwar völlig egal, ob man nun wollte oder nicht, denn man steckt ja nun mal mit drin, sollte man sich auch über die "Rahmenbedingungen" im Klaren sein. Da wir uns in unserem Lande für die weltweite Creme de la Creme der "Eingerahmten" halten, sollten uns Sahneschnittchen auch die Inhaltsstoffe interessieren, aus dem der Rahm(en) nun eben mal ist - oder?

Um meine Unkenntnis auszuleuchten und meine geneigte Leserschaft mit Wissenszuwachs zu beschenken, habe ich nach umfangreicher Internetrecherche - sprich einem Klick in ein Internetlexikon - folgendes Rahmensprengendes herausgefunden: wir leben doch tatsächlich in einem demokratischen und sozialen Bundesstaat, in dessen Grundgesetz von einer Gesellschaftsordnung ausgegangen wird, in deren Mittelpunkt die Würde und Freiheit des Individuums stehen. Joah. Hm. Naja...

Demokratisch. Sozial. Würde. Und Freiheit. Und nochmal. Demokratisch, sozial, Würde und Freiheit. Ist es nicht immer wieder faszinierend wie weit Theorie und Praxis auseinanderklaffen können? Wahnsinn - oder? Oh ja - Sie dürfen laut schmunzeln bis hin zu Sie dürfen sich vor Lachen krümmen - und zwar genau jetzt!!!

Wie ich die Kurve kriegen will zwischen dem Grundgesetz und einer Kosmetikprobe??? Na mal gucken! Zu dieser Kurvendiskussion gehören jedenfalls jene 4 soeben in Frage gestellten Eckpfeiler unseres Bilderrahmens, in dem wir das Abbild unserer Selbst sind. Und um dieses Abbild zu pflegen, stellte kürzlich eine marktführende Kosmetikfirma aus dem schönen süddeutschen Örtchen Beiersdorf (ich freue mich jetzt schon auf die kleinen Klugscheißer) meiner kleinen ostdeutschen Briefkastenhausgemeinschaft eine kleine Unmenge ihres neuesten Pflegeproduktes kostenfrei zur Verfügung - exakt 8 ml Intensivpflege pro Haushalt. Oder um es noch plakativer auszudrücken: Westcreme im Osten - das ist doch der Knaller! Welche Freude!!!

Aber weit gefehlt! Der freudige Götterfunken wollte einfach nicht überspringen! Ja, er wurde sogar übergangen! Und das unfreiwillige Kosmetikgeschenk landete im Minutentakt oder 8-ml-weise im Hauspapierkorb, frei unter dem Motto: "An mein Gesicht kommt nur Wasser und das, was ich möchte." So. Was haben wir es denen aber gezeigt! Wir sind nämlich ein stolzes Völkchen mit Freiheit und Würde! Wir wollen nix geschenkt haben. Und schon gar nix mehr aus dem Westen jetzt 27 Jahre nach dem Mauerfall! So.

Hm. Früher... Ja früher lebten einige Deutsche im Sozialismus und freuten sich wie die Schneekönige über jedes Fitzelchen eines kapitalistischen Markenproduktes! Da wäre das nicht passiert! Aber heute...? Nee, nee, heute, da nehmen wir solche prophanen Geschenke nicht mehr an! Mit würdevoller Freiheit und freiheitlicher Würde landen die unbeliebten Give-Aways im nicht getrennten Hausmüll. Ein völlig sozialer Akt gelebter Demokratie! Wie genial ist das denn? Boah, ey, Alter - 21. Jahrhundert ist doch sowas von endgeil!!!

Im Kapitalismus, den wir offiziell nicht haben, funktioniert das nämlich so: man kriegt nix mehr geschenkt - man beschenkt sich selbst! Und zwar gleich mit einem glänzenden Paket (neudeutsch: glossy box) vollgestopft mit einer Fülle von unnützen kostenlosen Kosmetikproben, die man sich monatlich für ca. 20 Euro auch noch liefern lässt! Ziemlich clevere Idee für die ziemlich bildungsfernste Schicht der deutschen Eingerahmten! Der Gewinn aus dieser Geschäftsidee müsste eigentlich ins Galaktische gehen bei der Masse an verschwendungsfreudiger Zielgruppe, die unser umstrukturiertes Bildungssystem hervorbringt. Ganz ehrlich? Wer bezahlt für Etwas, was man pfundweise an jeder deutschen Ecke hinterhergeworfen bekommt??? Ist das die demokratisch-soziale, würdevolle Freiheit eines deutschen Individuums??? Na, ick weeß ja nich...

So! Und jetze mal uffjepasst, Ihr Süßrahmigen! Ganz besonders die, die et imma noch nich jeschnallt haben: Wir befinden uns im Geld-regiert-die Welt-Modus. Je mehr Taler Du hast, umso mehr kannste mitregieren. Es soll mal Einer probieren, den Gegenbeweis anzutreten! Oder probieren Sie doch mal selbst, im Supermarkt ohne Geld einzukaufen! Der demokratische Kapitalist will an Dein Gespartes bzw. an die paar Piepen, die Du überhaupt hast - nix Anderes hat der gute Mann im Sinn! Umsonst ist der Tod und der kostet auch noch das Leben, meint der Berliner Volksmund, und heutzutage kostet es die Hinterbliebenen meist noch eine Menge Bestattungseuronen - stimmt`s? Auf der Erdoberfläche haben sie aber noch nie jemanden tot liegen gelassen - schon mal aufgefallen? Und dem Gevatter Tod ist es wahrscheinlich auch ziemlich Currywurscht, ob Du Dein Gesicht mit ost- oder westdeutscher - oder was noch verpönter wäre - gar ausländischer Pflegecreme ruiniert hättest... Kannste glauben!

Oder gibt es eine weltweit existente kostenfreie Pflegecremeprobe, die nicht glossyboxig daherkommt? Bin ich jetzt durch meine neue Heimatliebe dazu gezwungen, inländische Chemikalien in meine dämliche Gesichtsruine zu schmieren? Haben die Insassen eines Stasi-Gefängnisses eigentlich zu laut nach internationalen Pflegeprodukten gebrüllt und wurden deshalb noch enger eingerahmt als alle Anderen? Was nützt mir als Endverbraucher die Neue Freiheit unzähliger Gesichtsfette, wenn ich sie erstens gar nicht haben will und mir zweitens gar nicht leisten kann? Was genau ist denn bei dem Ruf nach demokratischer Freiheit und sozialer Menschenwürde schief gegangen? (Und das etwas schief gegangen sein muss, erkennt man daran, dass am Ende des Geldes immer noch soviel Monat übrig ist, in dem ich meinen olympischen Körper aber auch pflegen muss.) Wir fallen so oft aus dem (kosmetischen) Rahmen - warum drückt man uns denn eigentlich hinein?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir bitte, ich find`sie nämlich blöd!

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Donnerstag, 9. Juni 2016
Die adipöse Handtaschenträgerin an der Bushaltestelle und ihr dringendes Anliegen, mit ihrem Hinterteil den davor befindlichen Radweg zu blockieren
Warum machen manche Leute andere Menschen ungefragt blöd an??? Das ist die große Bollmann-Frage, die es heute wirklich mal zu klären gilt!!! Oder? Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass Sie - meine geneigte Leserschaft - dieses soziale Phänomen auch kennen! Irgendjemand Unbeteiligtes mischt sich mit einer unangebrachten, niveaulosen Bemerkung in Ihr Leben ein und will Ihnen weismachen, dass Sie schon durch Ihre bloße Existenz in der Nähe dieses dummschwätzigen Individuums einen angeblichen Fehler gemacht haben. Ein Beispiel dieser bildungsfernen Konversation ist folgender Text: "Was glotzt Du so???"

Erstens - wird man völlig unbekannterweise geduzt. Zweitens - wird man einer Sache bezichtigt, die man gar nicht tut (man guckt zum Beispiel einfach nur gedankenverloren an jemandem vorbei zum Fenster hinaus). Und Drittens - ist der- oder diejenige, der oder die diese ach so wichtige Frage äußert, ach so gar nicht Mittelpunkt Ihres Interesses - genau genommen nämlich überhaupt nicht - stimmt`s?

Na jedenfalls war die Frage, die so ziemlich maximal unqualifiziert meinen (Rad)weg kreuzte, die, ob ich jemanden verarschen will: "Willste mich verarschen???" (Man beachte, dass das "Du" im Berliner Straßenjargon mit in das Verb implementiert wird - klugscheißerte die Sprachwissenschaftlerin so ganz nebenbei!) Aber Fakt ist, dass sich hier zwei höchst unterschiedliche Stufen des Bildungsgrades begegneten - aba sowas von!!!

Es weigern sich immer alle gegen diese "Kleider-machen-Leute-Philosophie", weil ja die ach so wichtigen inneren Werte zählen - aber haben Sie schon einmal versucht, im Kartoffelsack gekleidet, ein Bewerbungsgespräch zu absolvieren? Nicht? Sehen Sie! Und Sie wissen auch warum! Ganz bestimmt! Und genau deshalb bin ich dazu gezwungen, die äußere Erscheinung der angeblich Verarschten näher zu beschreiben - schon allein, damit Sie gemeinsam mit mir in dieses wunderbare Klischee eintauchen können...

Nun ja. Da stand sie nun. Totgefärbte rot-grün-blonde Haare mit splissigen Spitzen und tieffettigen Haaransätzen. Tuschkastengeschminktes, hautunreines sowie pickliges Gesicht mit allermöglichem metallischen Klimbim an den unmöglichsten Stellen. Ein ärmelloser, verwaschener Baumwollfetzen mit irgendwelchen US-amerikanischen Collegeaufdrücken schmiegte sich wohlwollend um alle 4 Schwimmringe. Den 5. zweigeteilten Schwimmring schnürte ein ausgeleierter BH ein, bei dem das H (also das Halten) nicht mehr funktionstüchtig war. Entsprechende schlecht gemachte Billig-Tatoos sprangen einem an allen unbedeckten Hautpartien entgegen. Weiter tiefer ging es ausgeleiert baumwollig verwaschen weiter, wobei die Baumwollfasern im Beckenbereich auch mit dem H zu kämpfen hatten. Darunter schnürte etwas für Drunter das Drunter ein, welches hier nicht weiter beschrieben wird. Baumwolltreter an den Plattfüßen. Beine ohne Fesseln usw. - also eine Straßenschönheit, bei der der BMI die gängige Tabelle sprengt, deren höchstexklusives Accessoire aber eine Lui-Wittong-ich-wär-gern-eine-Handtasche war... Joah...

Und eben aus dieser zuckersüßen Person quillte unüberhörbar die Frage: "Willste mich verarschen?" So. Und jetzt icke! Nix Böses ahnend fahre ich auf dem Radweg von A nach B, um gängige Besorgungen zu machen. Vor mir radelte auch eine Frau. Diese passierte völlig unzugetextet und sportlich die Bushaltestelle, an der der Radweg vorbeiging. Ich wollte einfach nur dasselbe tun. Bus war nicht in Sicht. Allet easy!

Aber Madam Volumina musste sich jetzt hälftig auf den Radweg stellen. Kann ja mal passieren, geht man eben wieder runter, wenn sich ein Radfahrer nähert - normales Sozialverhalten - oder? Ihre spindeldürre Freundin oder Begleiterin wies sie auch deutlich erkennbar darauf hin, dass sich noch ein weiteres Fahrrad nähert. Aber die unkultivierte Handtaschenträgerin hatte sich mächtig in ihren Körpermaßen verschätzt und rutschte gerade mal so 10, 15 Zentimeter zurück auf den Fußweg, und das reicht nunmal bei der Doppel-D-Fraktion nicht aus, um genügend Platz zu machen!

Ergo: ich musste doch tatsächlich mit meinem Fahrrad fast anhalten, um das baumwollige 3XL-Birnchen nicht anzufahren!!! Ich hatte es gerade noch so geschafft zu bremsen, tuschierte aber mit meiner Handbremse ganz leicht ihre klapprige Handtasche. Ja, auf dem Radweg, wo ich nun mal als Radfahrerin STVO-mäßig exakt hingehöre! Wenn es einen Konflikt zwischen zwei oder mehreren Personen gibt, hat mindestens Einer einen Fehler gemacht! So die Sozialpsychologie. Und jetzt raten Sie mal, wo hier der Fehler steckt???

Allgegenwärtige Besserwisser werden jetzt etwas von Paragraph 1 stammeln und von Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme - ich weiß! Aber der kleine Atombusen, der meinen Weg kreuzte, hatte schon lääääääängst erkannt, dass sie nicht auf den Radweg gehört! Und??? Sie musssssssssssste einfach trotzdem dahin!!! Und brüllte mir, die ich dann endlich meine Fahrt fortsetzen konnte, gleich noch liebevoll hinterher "Willste mich verarschen???"

Zwei Fragen: 1. Wo hat die Olle ihre schlechte Laune und ihren Übermut her? Und 2. Was passiert eigentlich, wenn dat Schnuckelchen mal an den Falschen gerät? Hm?

Dann kriegt sie wahrscheinlich sowas von auf die Mütze, dass sie für immer ihre große Klappe hält! Das ist doch das, was Sie gerade denken - oder? Ach, und die schlechte Laune samt Übermut - wo das herkommt? Na, ist doch klar! Die dicke Tilla hat einfach mal Nixxx zum Tun! (Fürs Protokoll: ich habe pauschal nichts gegen Frauen mit starken Maßen - es geht hier lediglich um diese eine zauberhaft asoziale Person - ok!)

So! Und jetzt sagen Sie mir mal, wie hätten Sie reagiert? Hätten Sie überhaupt reagiert? Muss man sich jetzt innerlich stets auf diese "Straßen-Anmache" einstellen? Kommt man denn heutzutage überhaupt nicht mehr unzugetextet durch den Straßenverkehr? Warum is dat adipöse Kleinröschen denn so aggro? Wo kommt eigentlich diese geballte, überschüssige Kommunikationsenergie her? Ist jetzt irgendetwas in den Chips, Pommes oder Hamburgern, was die Leute zum Dummschwätzen animiert? Oder kommt diese Wirkung eher aus der ausgewaschenen Billigbekleidung (bewusstseinsbeinträchtigende Färbechemikalien o.ä.?). Gehört ein Radfahrer nicht mehr auf den Radweg? Sind jetzt Recht und Ordnung völlig egal? Muss heutzutage jeder seine Freiheit so auf Teufel-komm-raus ausleben, dass sämtliche Mitmenschen um einen herum ständig blöd angemacht werden? Oder sind wir einfach zuviele Individuen auf zu engem Raum? (Und die Dame brauchte ja offensichtlich mehr Frei-Raum, nämlich meinen!)

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Freitag, 27. Mai 2016
Die schrecklich adrett aufgetakelte Rentnerin im randberliner Stadtwäldchen und ihr tägliches Hobby des FangDebutizens
Sie wissen tatsächlich nicht, was FangDebutizen ist??? Obwohl Sie garantiert schon einmal darin verwickelt waren? Ich kläre Sie sehr gern auf, meine geneigte Leserschaft - es ist das neueste Hobby der Berliner Nichtmehrarbeitnehmer über 65 Jahre! Täglich spazieren diese mehrfach gelangweilt durch die unzähligen Grün- und Parkanlagen unserer schönen Hauptstadt und praktizieren dabei aktiv jenes besagte "Fang-Dir-einen-Berufstätigen-und-texte-ihn-zu" oder kurz "Fang-D-e-B-u-t-i-zen". Dämmert es jetzt bei Ihnen? Aaaaaahhhhh! Und schon wissen wir wahrscheinlich sehr genau, worum es der Verfasserin dieses Textes hier geht - oder? Ach, Sie meinen gleich, dass dies kein Hauptstadtphänomen ist, sondern eine gesamtbundesdeutsche Erscheinung? Das ist sehr gut möglich und Sie dürfen auch sehr gern schmunzeln!

Auf alle Fälle liegen dem FangDebutizen einige sehr fundierte höchst wissenschaftliche Erkenntnisse zu Grunde, die ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchte! Als da wäre, dass sowohl Frauen als auch Männer (und zwar egal welchen Alters) laut einer kürzlichen Veröffentlichung im "Science"-Magazin täglich dieselbe Anzahl von Wörtern von sich geben. Männer werden jetzt den Kopf schütteln und sofort sagen "Niemals!" und Frauen werden sofort mit dem Kopf nicken und sagen "Das habe ich Dir doch schon immer gesagt!" Aber da mir diese Männlein-Weiblein-Vergleiche zuwider sind und Vergleiche zwischen beiden Geschlechtern im Allgemeinen schon zu blöd sind, brauchen wir auch hier nicht tiefer in die Materie einzutauchen - stimmt`s?

Aber eines ist Fakt: je weniger Worte über den Tag verteilt gesagt wurden, je mehr ergießen sich dann über Dich, wenn Du beim FangDebutizen gefangen wurdest - oh ja! Das blöde daran ist, dass man als fleißiger Arbeitnehmer einfach zu oft zum Opfer dieser Seniorensportart wird und sich derer aus moralischen Gründen dann leider ganz schlecht entziehen kann. Die Bevölkerungsstatistik unserer geliebten deutschen Heimat verdeutlicht uns dabei kein Geheimnis - die Anzahl von Rentnern nimmt drastisch zu! Dies ist aber um Gottes Willen nicht als etwas Schlechtes zu bewerten, sondern unbedingt als positives Zeichen der gewachsenen Lebensqualität in unseren Gefilden...

Nichts ahnend gehe ich also in angenehmer männlicher Begleitung durch ein hiesiges Waldstück, mein fröhlicher Vierbeiner ist natürlich auch dabei - alles ist perfekt! Vorab noch kurz eine wichtige FangFrage an meine Leserschaft: Wo geht man nach einem erfolgreichen Arbeitstag hin, um in Ruhe abzuschalten - in ein Einkaufszentrum oder in einen Wald??? Richtig!!! In einen Wald natürlich! Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben und, dass wir uns auch noch einig sind!

Denn was wir alle samt nicht wissen, dass jedes Fleckchen Grün ganz offiziell und legal zu einem inoffiziellen FangDebutizen-Spielfeld erklärt werden darf, sofern sich auch nur ein einziger Fänger darauf befindet - und dann Gnade-Dir-Gott solltest Du der intensiven Kommunikation mit Senioren gewachsen sein oder Du gehst ein wie eine Primel ohne Wasser...

Aber weiter im Text mit dem nichtsahnenden Spazierrudel, dass plötzlich an einer Waldwegeskreuzung auf die Person trifft, um die es bereits in der Überschrift geht. Ein perfekt altfrisiertes Parfümwölkchen mit passendem Pfiffi steuerte schurstracks auf uns zu! Und da kriege ich schon immer von Weitem die Krätze! Die Seniorin hatte exakt an dieser Kreuzung die überwältigende Auswahl zwischen 7 (sieben!!!) Wegmöglichkeiten - und-ja-natürlich-muss-sie-genau-dalang,-wo-wir-gerade-sind!!! Heilandsherrgottnochmal!!!

An ihrer farblich zum Spazierkostüm abgestimmten Hundeleine befand sich eine wollknäuelartige Strickmiez, die schon von Weitem kläffte und keifte, sodass jeder wusste, dass dies definitiv ein kleiner fieser Giftzwerg ist! Wie der Herre, so das Gescherre - allgemein ist bekannt, dass Hunde das charakterliche Abbild ihrer Besitzer sind - stimmt`s? Uns erwartete also ein weiblicher senioraler Giftzwerg samt strubbligem animalischen Giftzwerg auf dem selben Weg und damit wären wir dann aber nach Strich und Faden geFangDebutizt worden - und, ey Leute, was soll ich Euch sagen - darauf habe ich nach Feierabend einfach mal null Bock!!! Nö!!! Nix da!!!

So schnappe ich mir einfach mal ganz schnell meinen Hund und laufe querfeldein durchs Gestrüpp, um dieser Kommunikationsattacke zu entgehen! Ihr Lieben - ich habe beruflich mit Menschen zu tun, ich habe garantiert meine 70.000 Wörter pro Tag schon an meinem Arbeitsplatz gelassen und bin deshalb danach so maulfaul, dass ich mich für generationsübergreifende FangDebutizen-Gespräche definitiv nicht eigne! Ich wäre nicht mal mehr ein aufmerksamer Zuhörer...

Mein Begleiter konnte sich allerdings dem adrett gekleideten Charme der FangDebutiz-Spielerin nicht erwehren und tappte hoffnungslos in die Falle! Mist! Ich wartete natürlich seelenruhig einige Meter entfernt bis die Rentnerin alles losgeworden ist, was ihr als so dringend wichtig erschien... "Sie müsste ganz dringend nach vorn zur Straße..", klimperte sie ganz unschuldig und versuchte engelsgleich zu wirken. Geht man schlendernd durch ein größeres Waldstück, wenn man "ganz dringend" nach vorn zur Straße muss??? Nein!!! Dann folgten noch weitere Entschuldigungen für ihr FangDebutizen-Dasein und dann ließ sie meinen Weggefährten endlich wieder frei...

Der arme Mann verstand leider so gar nicht, dass er gerade zum FangDebutizen-Opfer wurde und empfand die ganze Situation auch als überhaupt nicht schlimm. Sämtliche Versuche, ihm zu erklären, dass es für die ältere Generation auch schon bereits tagsüber ausreichend Angebote gibt, um ihr umfangreiches Weltwissen weiterzureichen, scheiterten an seiner mangelnden Emphatiefähigkeit - was soll ich da noch sagen... Aber in der näheren Umgebung gibt es wirklich alles, was ein FangDebutizen-Herz höher schlagen lässt: Bäcker, Fleischer, Gemüsehändler, Zeitungskioskbesitzer, Apotheker, Friseure, Optiker, Fußpfleger, Physiotherapeuten, Kirchen, Ortsvereine, Bushaltestellen - und Supermärkte!!!

Also warum zum Piepen nochmal muss ich als Berufstätige nach Feierabend an senioraler Kommunikation teilnehmen??? Ihr lieben Alten - ich bin von der Arbeit erschöpft! Ich möchte meine Ruhe haben! Also bitte lasst mich in Ruhe - schließlich erwirtschafte ich u.a. Eure Rente! Und bei allem Respekt für die ältere Generation - aber bitte habt auch Respekt vor meinen Bedürfnissen! Und ich möchte eben nicht nach der Arbeit noch FangDebutizen spielen! Dafür gibt es tagsüber sogar Menschen, die verdienen damit ihr Geld - also bitte fangt Euch diese - geht das???

Oder sollte ich mich tatsächlich zu einem belanglosen Gespräch über Warzen und Rheuma hinreißen lassen? Bin ich moralisch dazu verpflichtet, dies zu tun? Muss ich in diesem Fall mein Bedürfnis nach Ruhe vernachlässigen? Ist jemand der Meinung, dass man die paar Worte nun auch noch abkönnen sollte? Was ist, wenn dieselbe Seniorin mich wiedertrifft und enttäuscht feststellen muss, dass ich ihr letztens gar nicht zugehört hatte? Weil ich eben schon müde war... Warum müssen denn eigentlich die Rentner zum FangDebutizen in den Wald? Kann unsere Bundesregierung nicht einfach ausreichend FangDebutiz-Spielplätze ab ca. 4.30 Uhr morgens zur Verfügung stellen? Warum ist das mit den generationsübergreifenden Gesprächen eigentlich immer so schwer? Gibt es jemand in diesem Land, der sich mit den FangDebutiz-Spielregeln auskennt?

Denn das ist die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Donnerstag, 5. Mai 2016
Die Seniorin, die wegen eines primitiven Machos beinahe ins Schleudern gekommen wäre
"Falln Se mir aba jetz nich in den Schoß! Dit würd` ick Ihnen echt übel nehmen!", laberte es aus dem Mund meines Gegenübers, dessen Gesichtsausdruck dann auch noch verriet, dass er für diese aberwitzigen Worte geballte schmunzelnde Aufmerksamkeit erwartet... Oh nee, och bitte nicht schon wieder so eine maskuline Intelligenzbestie in den Öffentlichen Berliner Verkehrsmitteln, dachte ich... Die Gedanken sind frei, dachte ich auch noch, aber wenn diese limitierte Persönlichkeit mir gegenüber wüsste, was ich über ihn denke, dann würde sein frisch aufgepumpter Testosteronspiegel sofort auf Null sinken, das steht mal fest...

Man weiß ja nie, wem man so begegnet auf seinem Weg durch seine Heimatstadt oder durch sonstige Gefilde, aber oftmals kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man von Idioten umzingelt ist. (Idiot ist eigentlich nicht politisch korrekt, da Idiotie wirklich eine anerkannte geistige Krankheit ist, aber seit dem ein gewisser Greg mit seinem Tagebuch in den Bestsellerlisten der deutschen Literatur samt Verfilmung aufgetaucht ist, ist das Wort "Idiot" mittlerweile gesellschaftsfähig geworden.) Aber egal wie, ich bin mir sicher, dass meine Leserschaft genau weiß, welcher Art von bildungsferner Schicht (politisch korrekter Fachjargon) ich da gerade in der Straßenbahn begegnet bin...

Jedenfalls saß der blöde Typ, der offensichtlich gerade vom Sport kam, breitbeinig (als hätte er die dicksten Kronjuwelen des männlichen Homo Saphiens ever) in meinem Blickfeld und eine sehr rüstig-sportliche Rentnerin hielt sich mit beiden Händen an so einem Festhalteriemen fest, der sich über ihrem Kopf befand. Die Straßenbahn, die uns alle 3 an diesem Tag von A nach B brachte, machte eine 95-Grad-Kurve, und die Seniorin, die auf soviel Wellengang in einer Tram nicht vorbereitet war, tendierte mit ihrem olympischen Körper Richtung präolympischen Möchtegernsportler - die Szene war echt zum Piepen! Naja - piepen Sie schon mit? Na dann - weiter geht die tolle Fahrt!

Die tapfere Omi am Festhalteriemen kämpfte also um Standfestigkeit. Als sie diese wiedergefunden hatte, murmelte sie nur trocken "Geht schon." Aber Ihr Lieben - das geht nicht, das geht gar nicht! Wo leben wir denn??? Warum bietet denn der Brallo der älteren Dame nicht seinen Sitzplatz an? Oder vielleicht den Sitzplatz seiner abgeranzten Noname-Sporttasche neben ihm? (Dass Taschen heutzutage einen eigenen Sitzplatz in den Verkehrsmitteln brauchen, davon können wir alle ein mehrstrophiges Lied singen - oder?)

Ganz nebenbei bemerkt, schien der Sporttaschenbesitzer auch noch mächtig finanziell gehandicapt zu sein, denn für Körperpflegeprodukte, deren Benutzung es nach dem Sport bedarf, hatte sein Budget offensichlich nicht gereicht! Kennen Sie den Slogan, mit dem momentan eine Firma für Körpersprays wirbt? "Thank you for travelling without Körpergeruch!" Tja, das hätte ich nur zu gern meinem Gegenüber-Fuzzi gesagt, aber war nich... Am Liebsten hätte ich dieses männliche Geruchstrauma auf den Mond geschossen, aber bei der Bestrafung für solch primitives Verhalten vertraue ich auf den Mann, dessen Sohn laut Bibel heute in den Himmel aufgefahren ist...

In der Zwischenzeit versuchte die Frau jedenfalls Haltung zu bewahren. Sie war hochgewachsen, trug schlichte mausgraue und etwas zerknitterte Kleidung und kurze, schüttere, vor Wochen mal rötlich gefärbte Haare. An den Füßen hatte sie ein Schuhmodell aus der gängigen Seniorenkollektion und um die Schulter trug sie einen derben Stoffbeutel mit dem Aufdruck der Landkarte einer Südseeinsel, die in letzter Zeit oft von Tsunamis heimgesucht wurde... Tja, aber egal wie ihre äußere Erscheinung auch war, die Frau hatte tausendmal mehr Respekt und Symphatien von mir als dieser aufgeblasene Volltrottel auf 12 Uhr!

Es sah dann so aus, als würde die Stoffbeutel-Seniorin an der nächsten Haltestelle aussteigen wollen, aber sie hatte sich wohl geirrt - oder der Straßenbahn-Schleudergang inklusive dussliger Bemerkung eines mickrigen Alltags-Machos hatte sie so verwirrt, dass sie nicht mehr wusste, wo sie eigentlich hin wollte. Ich hatte mich schon für die Frau gefreut, dass sie sich von ihrer Misere befreien konnte, aber dann blieb sie doch in der Tram... Hm...

Ich war so sehr damit beschäftigt, dieses Kleinhirn mir gegenüber zu ignorieren (und dafür braucht man oftmals richtig viel Energie), dass ich leider gar nicht auf die Idee kam, der Rentnerin eventuell meinen Platz anzubieten. Auch war ich gedanklich so damit beschäftigt, angekotzt darüber zu sein, was für Menschen diese Gesellschaft so hervorbringt, dass ich selbst nicht angemessen reagieren konnte. Aber ich bin nunmal auch eine Frau, und ich habe als Kind gelernt, dass man(n) Frauen einen Sitzplatz anbietet - und zwar ganz besonders dann, wenn sie schwanger, gebrechlich oder älter sind. Finger hoch, wer dies auch noch so kennt! Sehen Sie!

Die letzten Minuten in der Straßenbahn habe ich dann mit der extremen Anstrengung verbracht, einen unheimlich nichtssagendenden Gesichtsausdruck an den Tag zu legen, damit der Asso mit der Sporttasche genau mitbekommt, wie sehr ich ihn ignoriere und vor allen Dingen, wie ungeheuer bescheuert sein Text war - letzteres habe ich aber wahrscheinlich nicht erreicht... Die Strapazenbahn hielt, wir stiegen alle aus und trotteten unserer Wege... Ich tat einen tiefen Luftzug, kräuselte meine Stirn und wollte das eben Erlebte eigentlich einfach nur aus meinem Kopf kriegen, aber das ist leichter als gesagt...

Mittlerweile verstehe ich auch, warum die Kopfhörer um mich herum immer riesiger werden! In Bus und Bahn trifft man immer mehr Leute an, die überdimensionale Hörmuscheln tragen! Oh ja! Stimmt`s? Aber die Masche ist ziemlich genial und darüberhinaus ist sie heutzutage generationsübergreifend! Offiziell und nach außen gilt man als trendiger Liebhaber irgendeiner Musikrichtung, und inoffiziell möchte man sich aber einfach nur das Gelaber seiner Mitmenschen nicht mit anhören müssen... Ich verweise dezent und beispielhaft auf alle Mutter-Tochter-Gespräche, die mit "Schantalle, ..." anfangen oder so ähnlich klingen wie "Soll ick jetz Dir anrufen oder mir?", oder auch auf die Smalltalks, in denen viel geschworen wird: "Ick schwör`Dir..."

Joah. Nach diesem innerlichen Schleudertrauma ist mein Kopf wieder voller Fragen... Muss ich mir schnellstmöglich Kopfhörer besorgen? Sollte ich mir vielleicht doch ein Auto kaufen, um geistige Hygiene zu praktizieren? Erwarte ich zuviel, wenn ein Mann für eine ältere Frau seinen Sitzplatz verlassen sollte? Trainiert man in den heutigen Fitnessstudios nur noch Körper und nicht mehr Geist? Wo doch in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist stecken sollte... Haben jetzt (Sport)taschen die gleichen Sitzplatzansprüche wie der Mensch selbst? Und überhaupt - wo zum Teufel kommt in einem Land der Dichter und Denker so eine geballte Blödheit her?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Dienstag, 8. März 2016
Die echt fiese Anti-Regenbogen-Frau im Bürgeramt in der Heerstraße
Eine ganz liebe Bekannte hat mir erst jetzt (also mittlerweile 7 Jahre später) eine so unerhörte Geschichte erzählt, die vor Ungerechtigkeit und Homophobie nur so trieft, dass ich beschlossen habe, diese den gängigen sozialen Medien zugängig zu machen. Somit biete ich meiner geneigten Leserschaft wieder mal eine neue Anekdote aus der Rubrik "blöde Welt"...

Stellen Sie sich vor, Sie sind im Jahre 2009 von München nach Berlin gezogen und Ihnen wurde hier in der Hauptstadt vergessen, eine neue Lohnsteuerkarte zuzusenden (vor 7 Jahren hat unser schönes Land noch mit diesen Kärtchen gearbeitet). Bei der Nachfrage bei den Berliner Behörden haben Ihnen diese auch ihre zeitliche und lokale Zuständigkeit eingeräumt, den Fehler also zugegeben und Sie suchen jetzt "einfach mal" ein Bürgeramt auf, möglichst ein wohnortnahes… Sie nehmen ihre alte Lohnsteuerkarte des Vorjahres, noch von Münchener Behörden ausgestellt, mit - auf geht`s! (Allen, die beim Wort "Bürgeramt" aktuell Wutausbrüche, Stresspusteln und hektische Flecken bekommen, sei gesagt, ich kann Euch gut verstehen - aber im Jahre 2009 sah das noch ein bisschen anders aus - daher lesen Sie bitte selbst!)

Stellen Sie sich also weiter vor, dass Sie vom persönlichen Status her in einer offiziell eingetragenen Lebenspartnerschaft leben und getaufte Protestantin, also kirchensteuerpflichtig sind. Beides ist bereits im System der Meldebehörde eingespeichert. Als Gymnasiallehrerin an einer Ganztagsschule haben Sie wahrlich wenig Zeit für Behördengänge, deshalb suchen Sie donnerstags abends ein Bürgeramt auf, welches bis 18 Uhr geöffnet hat. So weit, so gut.

Meine Bekannte geht also Anfang März 2009 ins Bürgeramt an der Heerstraße an einem Donnerstag um ca. 16.45 Uhr. An der Anmeldung wird ihr sofort eine neue Lohnsteuerkarte für das Jahr 2009 ausgedruckt. Diese enthält aber leider nicht ihre Konfession, was da heißt, dass der neue Berliner Arbeitgeber auch nicht die Kirchensteuer abführen kann, was meine Bekannte allerdings möchte. Die Dame an der Anmeldung meint aber, dass die Konfession nicht im System vermerkt ist. Nanu? Um diese aber ins System einzupflegen, muss meine Bekannte zu einer Sachbearbeiterin, die Dame an der Anmeldung käme nicht ins System. Meine Bekannte erhält eine Wartenummer und wartet eine Stunde lang bis 17.45 Uhr, ihr Arbeitgeber möchte am nächsten Tag (also einem Freitag) unbedingt noch die neue Lohnsteuerkarte für die Personalakte und zur rechtzeitigen Bearbeitung der Gehaltszahlung. Also wird wieder einmal gewartet...

Dann wird meine Bekannte also endlich aufgerufen, beim Gespräch mit der Sachbearbeiterin sagt sie, dass sie eine Stelle als Sportlehrerin hier in Berlin angenommen hat und schnellstmöglich eine Lohnsteuerkarte benötigt, ihr wurde hier vergessen eine zuzusenden. Erste komische Bemerkungen über lesbische Sportlehrerinnen fallen im Hintergrund… Die Sachbearbeiterin sagt, meine Bekannte müsse einen "formlosen Antrag" stellen, um die Konfession eintragen zu lassen. Da zeigt sie jedoch die alte Lohnsteuerkarte und erklärt, dass die Münchener Behörden die Konfession einfach ins System eingegeben haben, die neue Lohnsteuerkarte ausgedruckt hätten und fertig. Die Taufurkunde reichte den bayerischen Behörden einfach mal als optischer Beweis... Dabei hält meine Bekannte die nichtkorrekte Berliner Lohnsteuerkarte von der Anmeldung auch noch in der Hand.

Das ginge hier in Berlin nicht so einfach, war die Reaktion. So. Der formlose, schnell per Hand geschriebene (und mit Sicherheit unnötige, da als reine Schikane angeforderte) Antrag ist bei der Sachbearbeiterin, diese zeigt noch am Computerbildschirm, dass die Konfession jetzt im System drin ist und bittet meine Bekannte, nun zu gehen, sie hätte ja eine Berliner Lohnsteuerkarte. Aber eine falsche! Was ist denn nun schon wieder los???

Da die Sachbearbeiterin die richtige Karte nicht ausdrucken will, möchte meine Bekannte die Leitung des Bürgeramtes sprechen. Weitere eindeutig als homophob und diskriminierend einzuordnende Bemerkungen fallen im Hintergrund…

Frau Borchardt, die Leiterin des Bürgeramtes Heerstraße, bittet meine Bekannte um 17.55 Uhr in ihr Büro. Sie erklärt mit einem äußerst merkwürdigen Lächeln, dass die Sachbearbeiterin richtig gehandelt hätte. Meine Bekannte ist zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich aufgebracht, weil sie merkt, dass ihr übel mitgespielt wird. Auf die Frage hin, wie und wann sie denn nun ihre korrekte Berliner Lohnsteuerkarte erhält, meinte Frau Borchardt dann: morgen, wenn meine Bekannte wiederkäme. Was passiert dann morgen früh? Meine Bekannte wollte schnell vor ihrem Unterricht die neue Karte abholen, ihr Arbeitgeber braucht sie wie o.g., um ihr Gehalt noch rechtzeitig zu zahlen. Diesen Sachverhalt kannten allerdings auch die Sachbearbeiterin und Frau Borchardt.

Und jetzt kommt es zum Höhepunkt der homophoben Tortur! Frau Borchardt erklärt, dass morgen einfach nur die falsche Karte vernichtet und die richtige ausgedruckt wird. Warum das jetzt nicht ginge, fragte meine Bekannte, es wäre ja wirklich nur ein einziger Klick? Frau Borchardt antwortete, weil meine Bekannte ja jetzt eine Lohnsteuerkarte hätte. Ob Frau Borchardt sie verschaukeln möchte, fragte meine Bekannte? Das Gespräch ist beendet, Auf Wiedersehen, meinte Frau Borchardt, und verwies auf die Tür. "Gut, na dann auf die harte Tour!" sagte meine Bekannte, dann zerreiße sie die falsche Lohnsteuerkarte jetzt und hätte dann keine mehr, was sie auch tat und verlangte von Frau Borchardt den korrekten Ausdruck.

Behördlicher Starrsinn trifft auf zivilen Ungehorsam - ist doch zum Piepen oder? Anti-Regenbogen-Frau Borchardt sammelte demonstrativ und in Zeitlupe die Papierstückchen der zerrissenen Lohnsteuerkarte ein, brüllte meine Bekannte lautstark an (Lautstärke ist übrigens kein Argument fürs Rechthaben) und riet ihr, jetzt zu gehen. Alles Geschilderte passierte von 17.55 Uhr bis 18.00 Uhr. Wahrscheinlich war die körperlich voluminöse Bürgeramtsleiterin um ihren Feierabend besorgt - ach, die Ärmste!

Den Gipfel dieser homophoben Frechheit erfuhr meine Bekannte dann allerdings erst eine Woche später bei einem ganz offen schwulen Sachbearbeiter des Bürgeramtes im schönen Rathaus Schöneberg. Sie wollte also hier ihre neue und korrekte Lohnsteuerkarte ausdrucken lassen. Das mit dem rechtzeitigen Gehalt wurde ihr übrigens "erfolgreich" durch das Bürgeramt Heerstraße versaut, was wahrscheinlich nur eine der niederen Intentionen der dortigen Sachbearbeiterinnen gewesen ist...

Bei den Schöneberger Damen an der Anmeldung erfuhr sie, dass sie nur eine Ersatzlohnsteuerkarte bekommt. Wieso das denn jetzt??? Hier im System steht, sie hätte ihre Originalkarte einfach zerrissen, deshalb müsse sie nun die Gebühr für die Ersatzkarte zahlen und das Ganze bei einem Sachbearbeiter klären. Knaller - oder???

Meine Bekannte erzählte dann die gesamte, haarsträubende und homophobe Ungerechtigkeit dem höchst interessierten, rosa bekleideten Sachbearbeiter. Dieser meinte, dass aber hier im System (auf das alle Bürgerämter auf Grund der gemeinsamenVernetzung zugreifen können) keine Konfession vermerkt ist. Ach nee? Komisch!!! An der Bearbeitungsuhrzeit erkannte er, dass am besagten Tag mit den Ungeheuerlichkeiten im Bürgeramt Heerstraße noch jemand eine halbe Stunde später – sprich 18.30 Uhr - im System gewesen ist. Also war der Feierabend wohl doch nicht so wichtig? Aber das gibt es doch nicht!!! Die Konfession, die für meine Bekannte noch in der Heerstraße auf dem Monitor ersichtlich war, wurde also im Nachhinein wieder heraus gelöscht!!! Ja, Sie lesen richtig! Gelöscht!!!

Der Sachbearbeiter im Bürgeramt des Rathauses Schöneberg sagte zu meiner Bekannten völlig entrüstet und sarkastisch überspitzt: „Offensichtlich waren Sie im falschen Stadtbezirk!“ „Und das in Berlin, wir haben einen schwulen Bürgermeister!“ Der Schöneberger Sachbearbeiter behandelte die Situation unter dem Motto "Geht nicht, gibt`s nicht!" und löste das Homophobie-Problem sehr professionell und zeitgemäß! Ein Hoch auf Menschen, die noch mitdenken können und sich über administrative Grenzen hinwegsetzen!

Nun ja, und da ich denke, dass Frau Borchardt vom Bürgeramt Heerstraße für diese hochprofessionelle Sachbearbeitung definitiv in die öffentlichen Medien muss, habe ich diese Geschichte der Homophobie gegenüber einer protestantischen, lesbischen Sportlehrerin jetzt aufgeschrieben und rege damit zur öffentlichen Meinungsbildung an!

Was hätte meine Bekannte denn Ihrer Meinung nach machen sollen? Wir leben im 21. Jahrhundert in der deutschen Hauptstadt und haben immer noch diese ewig Gestrigen in den Führungspositionen von Ämtern - ist das nicht zum Kotzen? Müssen Menschen denn immer noch ihre angeblichen Machtpositionen für primitive Schikanespielchen ausnutzen? Wer zum Teufel hat diesen Leuten diese Position erlaubt? Alle Menschen sind gleich, und manche sind gleicher? Was geht bloß immer in den Köpfen solcher Leute vor?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Sonntag, 14. Februar 2016
Die neugierige Pralinenverkäuferin und ihre Neigung, dann doch nicht zu helfen, nach dem sie es erst wärmstens versprochen hatte
Ich hatte mir eigentlich fest geschworen, keine neue Freundschaften mehr einzugehen. Es zieht sich nämlich durch mein Leben wie ein geschmackloser Kaugummi - erst lässt man sich auf einen neuen Menschen ein, hört sich tage- und monatelang mit wirklichem Interesse dessen Lebensgeschichte samt Auf und Abs an, freut sich darüber, jemanden auf Wellenlänge gefunden zu haben und schon bei der ersten Prüfung dieser Freundschaft ist diese perfekte Welle sofort abgeebbt... Aber der Mensch ist nun mal ein soziales Wesen! Der Mensch braucht den Menschen. Niemand ist eine Insel. Sie, meine geneigten LeserInnen, kennen das, sagen Sie? Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder von uns mindestens eine Lebensgeschichte aus dieser Kategorie miterzählen kann - stimmt`s?

Und bei mir kam diese Geschichte so zustande, als dass ich meiner Lieblingsschwäche frönte, die da Schokolade und Pralinen heißt - Sie dürfen gern schmunzeln! Ja, ich weiß, diese Schwäche zieht sich quer durch alle Bevölkerungsschichten - und ja, sie ereilt einen sogar nachts, wo man natürlich total schwach ist! Darüberhinaus ist die Schokoladenschwäche eine gekonnt diplomatische Antwort für die knifflige Frage in einem Vorstellungsgespräch, ob man denn bei all den Stärken, die der Lebenslauf aufzeigt, auch Schwächen hätte? "Oh, ja!", sagte ich dann immer sehr verschmitzt, "Mozartkugeln! Ich bin so schwach, ich komme einfach nicht an ihnen vorbei!"

Jedenfalls führte mich meine Schokoladenliebe regelmäßig in eines unserer Berliner Kaufhäuser, das ein dekadent üppiges Angebot an Pralinen und Confisseriekunst vorweisen kann, und die Häufigkeit meiner Schokoladenlust führte dann auch noch dazu, dass ich mit der Pralinenverkäuferin mehr und mehr ins Gespräch kam, und dann nach mehreren Monaten sogar zu einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen außerhalb ihres Arbeitsplatzes, was der Beginn unserer welligen Freundschaft war...

Mittlerweile in alle Hoch und Tiefs meines Lebens als Frau so eingeweiht, kam dann das nächste fremdverursachte Tief auf mich zu, und die Pralinenfreundin versicherte mir hoch und heilig, dass sie mir natürlich selbstverständlich bei diesem traurigen Zwangsumzug helfen werde! Geteiltes Leid ist halbes Leid - ich freute mich wirklich von ganzem Herzen darüber, jemanden, den ich vertraue, bei dieser Zwangsentwurzelung dabei zu haben... Und man darf sich diesen Umzug nicht so horrormäßig vorstellen, wie man dies allgemeinüblich kennt - lauter schweres Zeug, viel sperriges Gelumpe, stressiges Treppengerenne usw. - sondern es handelte sich lediglich für sie um kleine, handliche Schuhkartons mit privatem Staubfängerkrimskrams, die völlig frei von jeglichem Stress in ihren Kleinwagen hätten verstaut werden können...

Als alles verpackt war und sämtliches Hab & Gut ziemlich durchorganisiert abholbereit war, kam dann aber der uns alle bekannte "Schlag ins Gesicht" - eine Absage während des Umzuges! Für Miteinpacken hätte sie Zeit gehabt, aber für den Transport nicht. Diese Logik erschließt sich mir bis heute nicht, und beschriebenes Ereignis ist jetzt fast ein Jahr her! Darüberhinaus hätte sie gerade ihre eigenen Probleme - ihr Enkelsohn wäre von zu Hause abgehauen und schläft jetzt bei ihr, und die dazugehörige Mutter / Tochter würde demnächst auch aus ihrem Haus herausgeklagt werden...

Ja. Toll. Und da stand ich nun. Und natürlich kam die Absage zu spät, unverhofft und per SMS. Und natürlich war das Schokoladenlieschen dann nicht mehr telefonisch erreichbar. Und die Ausrede mit dem Akku nehme ich ihr im 21. Jahrhundert dann auch nicht mehr ab - oder? Vor allem bei jemandem, der sonst 24 Stunden erreichbar ist und auch penetrant darauf achtet, dass dem so ist... Jedenfalls stank die Absage zum Himmel, und sie schnürte mir auch die Kehle zu. Diese Enttäuschungen, die einem dann beigebracht werden, hauen mich ziemlich aus der Bahn und machen mich nahezu fassunglos vor Schmerz und Wut - vor allem, weil es immer das gleiche Schema ist: erst ja natürlich, keine Frage, ganz sicher - und dann mittendrin nö...

Was soll ich sagen? Tage später trudelten dann ebenso per SMS ihre Entschuldigungen ein... Von Unwohlsein, über Arbeitsstress und Nase-voll-vom-Job-Worten bis hin zu privaten Problemen und Zeit- und Geldmangel. Joah. Schön! Nur, dass ich mich auf ihre Hilfe und festen Beteuerungen verlassen hatte... Einpacken wäre auch interessanter gewesen - ich verstehe: ich hätte gern gesehen, was so alles in Deinem Privatbesitz ist (der ja ach so umfangreich ist - man man man), aber schnödes Transportieren mit dem Auto - nee nee, da ist einfach mal nix für die Neugier der Kakaotrulla dabei...

Ich möge doch Verständnis haben... Nein! Habe ich nicht! Ich ziehe JETZT um. Ich brauche JETZT Hilfe. Ich benötige JETZT ihr Auto und ihre helfende Hand. Aber da scheint diese "Blut-ist-dicker-als-Wasser-Philosophie" wiedermal total rücksichtslos zuzuschlagen. Sofern mit der Familie (egal, wie blöd man sie findet und wie wenig Kontakt man sonst hat) etwas ist, werden sämtliche ach so guten Freunde im Regen stehen gelassen! Freunde kann man sich aussuchen - Familie nicht! Schon mal darüber nachgedacht?

Und ich? Hätte ich darüber nachdenken sollen, mir eine Rückfalloption zu sichern? Muss man heutzutage denn immer mehrere Eisen im Feuer haben? Ist denn das Wort einer Freundin gar nix mehr wert? Hätte ich sie vielleicht doch beim krimskramigen Einpacken belangen sollen, damit ihre Neugier befriedigt wird? Oder muss man jetzt immer Benzingeld mit anbieten, wenn man jemanden um Autohilfe bittet? Ist denn auf Freundschaften wirklich überhaupt kein Verlass mehr?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe? Erklär`sie mir bitte - ich find`sie nämlich blöd!

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Sonntag, 31. Januar 2016
Der "englischsprachige" Deutschbuchleser, der seinen eigenen Dreck nicht wegmachen wollte
Nix Böses ahnend lasse ich mich mal wieder mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit zuckeln, gucke mir dabei Stadt und Leute an und schaue auch gern mal gedankenverloren aus dem Fenster, um mich selbst und das Treiben um mich herum zu relativieren... Manchmal denke ich auch, wenn die Menschen in meiner unmittelbaren Nähe nur für mich sichtbare Gedankenblasen über ihren Köpfen hätten, dann könnte ich eine mehrbändige Doktorarbeit über soziale Gedankenstudien verfassen... Aber die Gedanken sind frei - Ihr Lieben, und das ist gut so! Bitte jetzt schmunzeln!


Und während ich mich also so fremdbestimmt durch die deutsche Hauptstadt transportieren lasse, steigt ein sehr junger Mann ein, setzt sich mir gegenüber hin und legt seinen Bäckerei-Imbiss ab, stellt seinen Coffee-To-Go-Cup (also einen Pappbecher mit Deckel und heißem Kaffe drin) auf den Sitz neben sich und legt noch ein ziemlich zerfleddertes Paperback-Buch mit dazu. Meine geneigten Leserinnen und Leser - ohne Anglizismen scheine ich heute nicht auszukommen - also "Paperback" - "Papier zurück" - das sind diese weichen Bücher für 0815 Taler, die fürs Buchregal nix taugen; und "Hardcover" - was "Festeinband" ist, wäre der teuere Gegenpol. Den hatte der jungspuntige Fahrgast aber eben mal nicht dabei... Ok. Geklärt. Jut!


Direkt neben mir zum Gang hin sitzt übrigens auch ein Mann. Ziemlich ruhig, morgendlich zurückhaltend, anständig gekleidet, nach Körperpflege riechend - also als Sitznachbar völlig passabel. Der junge Bäcker-Kaffee-Buch-Typ uns beiden gegenüber fängt aber kurz nach dem Hinsetzen an zu Kramen und zu Knistern und zu Nesteln und laut zu Kauen und verbreitet eine jugendliche Hektik, die seinesgleichen sucht... Mein Nebenmann und ich gucken uns kurz an, schmunzeln verschmitzt und ziehen beide eine Augenbraue hoch - wir waren uns einig! Soviel steht fest.


Nachdem dat Knisterjungchen dann endlich erfolgreich gefrühstückt hatte und wir uns diesen Akt der Nahrungsaufnahme unfreiwillig mit angucken mussten, kam der Abgefrühstückte dann auch langsam zur Ruhe. Er hielt sich verzweifelt konzentriert sein Literaturobjekt vor die Nase und versuchte ebenso verzweifelt, sich diese konzentrierte Bildung "reinzuziehen" - nur, dass das eben nicht so schnell wie mit Kaffee und Backwerk vonstatten ging. Er runzelte öfter die Stirn, schien manche Textstellen zwei Mal lesen zu müssen und sprühte irgendwie vor heller Begeisterung für das bisschen Belletristik da in seiner unmanikürten Hand...


Aber das ganze Gewese des Literaturjunkies war lediglich ein Ablenkungsmanöver. Mein Sitznachbar und ich hatten dies von Anfang an durchschaut und haben uns offensichtlich - wenn auch die Pointe abwartend - köstlich darüber amüsiert, wie der Bücherfritze versuchte, Stück für Stück seinen Pappbecher samt Bäckereitüte immer tiefer hinter sich bzw. zwischen sich und der Rückbank verschwinden lassen zu wollen. Zentimeter für Zentimeter erarbeitete er sich, indem er mal ein Taschentuch herausholte oder sich rekeln musste oder kurz aus dem Fenster sah, um sich dann wieder etwas anders hinzusetzen usw. und so fort - zum Piepen, sag`ich Ihnen!


So. Und nun kam das Highlight (Hochlicht?) der ganzen Aktion! Als der Pappbuchfreund dann aussteigen wollte, hatte er selbstverständlich die Absicht, das Verpackungsmaterial seines S-Bahn-Frühstücks auf seinem Sitz liegen zu lassen - oh ja! Fast zeitgleich verwiesen mein Immer-noch-Sitznachbar und ich den Müll-Bubi darauf hin, doch seinen Abfall mitzunehmen. Unglaublich aber wahr meinte dieser doch dann:"Sorry???", im Sinne von "Ich verstehe nicht?" Aber wir wiederholten gern unseren "Nimm bitte Deinen Müll mit!"-Satz für unseren ach so sehr internationalen Mitmenschen...


Aber jetzt kommt noch der Knaller! Sagt der Fuzzi doch glatt mit breitem Grinsen: "In English, please!" Kriegste, Schätzchen - aber postwendend, dachte ich mir, und trällerte den Mülltext nochmals und mit noch breiterem, charmanten Grinsen. Tja, Du wohlgeformte Flachzange - würde der Berliner Volksmund sagen - nich mit mia! Und in einem höchst pointiertem Oxford-Englisch mache ich dem Zivilisationsbanausen auch gleich noch klar, dass ich meine Aufforderung an ihn auch noch in mindestens 6 weiteren Fremdsprachen verfassen könnte - "You stupid fool!" - aber letzteres blieb ungesagt und nur in Gedanken...


Und was soll ich sagen!? Dat Bücherschätzelein nimmt wortlos seinen Müll und trabt von dannen! Siehe an! Wir haben seinen geistigen Horizont erreicht! Was für eine Leistung des morgendlichen Sozialverhaltens in der Großstadt! "Haben Sie eigentlich gesehen, dass er die ganze Zeit ein deutsches Buch gelesen hat?", frage ich meinen Sitz-Team-Mann. "Nee! Echt?" "Ja.", antwortete ich, "Was für ein Trottel - oder? Und macht dann einen auf Englisch-Sprecher - ist doch zum Totlachen!" Mein Sitznachbar und ich amüsierten uns köstlich. Ich hätte ihm auch noch sagen können, dass das Buch zur Lektüre an der gymnasialen Oberstufe hier in Berlin gehört und sogar fest im Rahmenplan für den Deutschunterricht verankert ist - aber das hätte zu weit geführt... (Was man als bloße S-Bahn-Mitfahrerin so alles weiß - oder?) Selbst der Schulstempel des Gymnasium war zeitweise erkennbar - was war das bloß für ein Dussel, man, man, man...


Kaum auf der Oberstufe kriegt man also jetzt solche Höhenflüge? Und da schafft man es auch nicht mehr, zu Hause zu frühstücken? Und, wenn er es schon bis zum Abi geschafft hat, aber das Thema mit der Müllentsorgung aus der Grundschule ist wohl eine Wissenslücke - oder was? Ist der Typ morgens aufgestanden und hat beschlossen, mit seinen drei Brocken Englisch seine Mitmenschen zu verarschen? Denkt er etwa, dass er der Einzige in einer fast 7-Millionen-Menschen-Stadt ist, der etwas Anglophones auf dem Kasten hat? Wer zum Geier hat diesen Freak ins Gymnasium gelassen? Sind das etwa die studierten Fachkräfte von morgen, die meine Rente erarbeiten sollen? Wer genau hat da eigentlich an der Erziehung geschlampt? Und wann kommt endlich die Steuer auf diese dussligen "Zum-Gehen-Becher"???


Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir, ich find`sie nämlich blöd!

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Mittwoch, 27. Januar 2016
Die völlig verpeilte Regenschirm-Trulla an der zu engen Straßenbahnhaltestelle
Kennen Sie das??? Ich bin mir da völlig sicher - Sie kennen das! "Was denn?", werden Sie nun fragen. Und ich sage es Ihnen einfach mal frei heraus: Es regnet manchmal in Berlin! Also echt und wirklich - es regnet auch in der deutschen Hauptstadt! "Ach, nee!", könnten Sie da sagen. Was für ein umfangreiches Weltwissen ich doch wieder durchs Internet werfe - ich weiß! Und meine geneigten Leserinnen und Leser, Sie dürfen gern anfangen zu schmunzeln!

Aber erlauben Sie mir die Frage, warum sich manche Menschen dann so hektisch-über-den-Ecktisch-mäßig durch die tröpfelnde Luftfeuchtigkeit kämpfen? Ja, ich weiß, wir sind alle süß, aber nicht aus Zucker. Ja, und ich weiß auch, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung. Aber ganz ehrlich, Ihr Lieben, wird man - bzw. in diesem Text frau - weniger nass, indem durch den Regen gerannt wird? Ich dachte immer, das klappt nur bei den ganz dürren Mitmenschen, bei denen nur jeder dritte Regentropfen ein Treffer ist... Naja... Unerklärliches physikalisches Phänomen...

Auf alle Fälle verfallen manche Zeitgenossen um mich herum in panische Hektik, wenn es etwas Niederschlag gibt und ich frage mich immer, ob ich diesen "lebensbedrohlichen Zustand" verkenne, wenn ich mich dieser Gruppendynamik nicht anschließe oder, ob ich einfach eine coole Socke bin, die Regen im herbstlichen Mitteleuropa für etwas völlig Normales hält? Wenn man der einzige Richtigfahrer bei lauter Geisterfahrern ist, muss man diese Situation ja auch überdenken und den Blickwinkel ändern - stimmt`s?

Nun ja, über eben diese Gedanken grübelnd hüpfe ich zusammen mit allen anderen an der Haltestelle Wartenden in die Straßenbahn und freue mich über ein temporär trockenes Plätzchen an diesem frühen Morgen, der da so übelst nass daher kam...

Wenige Stationen später quälen sich alle müden Gesichter wieder aus der Tram heraus, um abermals durchs Getröpfel zu flitzen und zwar, um das nächste öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen, welches an regnerischen Tagen natürlich so eng getaktet ist, dass alle Fahrgäste in kollektivem Stress durch die Bahnhöfe toben... Ja, ich weiß, es ist schon wieder Weltwissen vom Feinsten! Ist halt unheimlich spannend, was so morgens in Berlin los ist - bitte jetzt abermals schmunzeln!

Und das Spannende dabei ist, dass sich der Regenschirm einer der Raus-Hüpf-Frauen eben nicht aufspannen ließ, jedenfalls nicht so, wie ein Schirm nun mal funktionieren sollte. Und damit noch mehr Spannung aufkommt, sucht sich die Regenschirmfrau für ihren Kampf mit eben demselben ein Wegstückchen aus, dass Wegbeschreiber als ein Nadelöhr bezeichnen würden, und verstopft dieses mit ihrer körperlichen Anwesenheit. Die Reaktionen der öffentlich-gehetzten Passanten waren dann sehr angespannt und zum Teil hatte die Regenschirm-Trulla den Bogen auch überspannt...

Ich nenne solche Leute die "Nicht-Mitdenker". Englischsprachige Zeitgenossen meinen dann auch oft "She is from that family Me-Myself-And-I." Es ist manchmal schon von Vorteil, im Großstadtdschungel alles um sich herum ausblenden zu können - das ist sehr richtig mitgedacht, Ihr Lieben! Aber, wenn man durch die eigene Ausblendtechnik zum Hindernis oder gar zur Störung für seine Mitmenschen wird, ist das einfach falsch vom Sozialverhalten her!

Dat Kampf-Schirm-Mäuschen stand nämlich ziemlich ungünstig im Weg für eine größere Traube von Leuten, die - wie die Berliner Großschnauze nun mal so ist - ihrem Unmut auch sofort Luft machten, die Schreiberin dieser Anekdote mit eingeschlossen. "Aus dem Weg!" "Steh´hier nicht so blöde rum!" "Dollet Plätzchen haste Dir aber ausjesucht, Mädel!" "Weiterloofen - aber zack zack!" "Wie kann man nur so verpeilt sein!" "Oh, nee, geht`s noch!" Und ein stadtteilbekannter, liebenswürdiger Mann mit Freifahrtschein meinte sogar: "Sach schnell - wat giebt`s? Bananen oder Apfelsinen?" Spätestens da musste auch ich lachen und spätestens jetzt hatte auch die Regenschirm-Trulla gerafft, dass sie einfach mal im Weg stand! Wahnsinn! Was für eine geistige Höchstleistung morgens vor 7 Uhr! Boah, ey, Alter!

Ein Mann, der unmittelbar hinter der Schirmchen-Trine lief, hätte beinahe so eine Regenschirmspitze ins Gesicht bekommen und hatte sich deshalb ganz schön erschrocken, sein Gesicht anschließend zur Faust geballt. Eine Frau mit Kind an der Hand wäre fast auf die Frau aufgelaufen, konnte aber ihr Kind noch schnell wegzerren. Ein Junge mit Schultasche stieß beim Ausweichen der Frau mit seiner Hüfte an einen Fahrradlenker, was hörbar schmerzte. Ein Student mit heißem Coffee-To-Go-Pot in der Hand fluchte mächtig als ihm sein Heißgetränk auf Hände und Kleidung schwappte usw. Schätzungsweise 15 Passanten erlitten einen unnötigen Auflaufstau...

Jep. Und da sind sie wieder - die Fragezeichen in meinem Kopf! Brauche ich bei Regen immer ganz dringend einen Regenschirm? Muss ich den Kampf mit diesem vorher schon mal geprobt und gewonnen haben? Bin ich dazu verpflichtet, die Mitmenschen um mich herum völlig zu vergessen, um diesen Kampf zu gewinnen? Muss ich überhaupt in der Öffentlichkeit mehr an mich denken? Habe ich zu wenig Ellenbogen für den öffentlichen Nahverkehr? Hat der Hauptstadtregen etwas Lebensbedrohliches? Oder warum denken (morgendliche) SchirmkämpferInnen keinen Schritt weiter? Hat denn niemand mehr die Konsequenzen seines eigenen Handelns auf dem Schirm? Oder denkt überhaupt jeder nur noch an sich selbst - egal bei welcher Wetterlage?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir bitte, ich find`sie nämlich ausgesprochen blöd!


Nachtrag von mir selbst zum Thema "Wird man bei Regen weniger nass, wenn man schneller läuft?"

Eine Antwort darauf habe ich doch tatsächlich kürzlich in dem Magazin "ReformhausKurier" vom jetzigen Januar 2016 auf der Kinder-Seite 57 gefunden, bei der man "Schlau mit der Maus" wird: das "haben Forscher untersucht und herausgefunden, dass unser Kopf und unsere Schultern tatsächlich weniger nass werden, wenn wir schnell laufen. Aber wir werden ja nicht nur von oben nass. Wenn wir rennen, dann kommt der Regen von vorne und macht Bauch und Beine nass. Das Verblüffende ist, dass wir von vorne - ganz egal wie schnell oder wie langsam wir sind - immer gleich nass werden." Ergo: schneller laufen bringt schon etwas! Aber: andere Menschen mit dem eigenen Regenschirm aufspießen bringt nix als Ärger - bitte jetzt schmunzeln!

Spießige Grüße von Ihrer Victoria McJustice

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Mittwoch, 6. Januar 2016
Die dusseligen Morgenmuffel an der Straßenkreuzung, die sowohl ihren Anstand als auch ihre Kinderstube völlig vergessen haben
"Sind Kavaliere jetzt völlig aus der Mode gekommen oder was?" "Oder lässt man(n) einer Frau denn jetzt nicht mehr den Vortritt?" Zwei dusslige, nichtssagende, männliche Gesichter schauen mich irritiert an... Durch deren vorherige Unterhaltung miteinander war ich mir bereits sicher, dass diese maskulinen Geschöpfe der deutschen Sprache mächtig waren oder besser noch - sie zu Vertretern der deutschen Muttersprache gehören. Deshalb kann die Gesichtsentgleisung beider Mitglieder des Homo Saphiens nur der frühen Uhrzeit geschuldet sein - um 7.45 Uhr darf man auf den Straßen Berlins offensichtlich noch nicht davon ausgehen, dass die fußgängerischen Gestalten um einen herum auch bereits geistig anwesend sind... Naja, zumindest nicht zu geistreicher Konversation in der Lage sind... Aber in dieser schönen Anekdote war bei beiden Männern keinerlei Konversation möglich wie es schien...

Und das kam so: an einer klassischen "gekreuzten Kreuzung" in einem noch klassischeren Berliner Wohngebiet wollte ich ziemlich klassisch und stilsicher von einer Straßenseite auf die andere Wechseln. Stinknormaler Alltagsvorgang sagen Sie? Dachte ich auch! Nix besonderes bis dahin...

Wer die typischen Wohngebiete unserer geliebten Hauptstadt kennt, der weiß, dass unsere Straßenkreuzungen (zumindest noch morgens) problemlos bis zum Anschlag zugeparkt sind - stimmt`s? Oh ja - stimmt! Bitte hier kurz schmunzeln! Oder haben Sie sich etwa gar selbst ertappt? Nicht doch! Na wie dem auch sei - so hüpft man jedenfalls zum Überqueren solcher Straßen mal eben ganz locker-flockig durch die parkenden Autos durch und atmet erst wieder aus, wenn man sich sicher auf der anderen Seite befindet... Meinem Wunsch nach (Verkehrs)Sicherheit konnte an diesem hier verewigten Morgen aber leider nicht entsprochen werden...

Die beiden deutschsprechenden Herren drückten am Papierkorb noch ihre Zigaretten aus und sprangen dann hintereinander fast so sportlich wie ich in dieselbe Autolücke und wollten über dieselbe Straße. Sehr lustige Bilderbuchsituation, über die sich wahrscheinlich jeder Fahrlehrer diebisch freuen würde!

So. Und nun standen wir alle drei lustig auf ca. 1,40 Meter - die 2 Typen mit dem Gesicht zu mir und zur Straße, und ich mit dem Gesicht zum ersten Typen - wobei der Unterschied war, dass ich bereits bis zur Hälfte in der Mitte dieser witzigen Lücke zwischen den Autos stand! Dumm wie Stulle guckt mich der Erstlückenblockierer an und staunt Bauklötzer - und da begrüße ich ihn natürlich mit dem eingangs zitierten Text!
Aber der Dussel rafft es nicht. Geht noch einen Schritt näher in meine Richtung - und erwartet offensichtlich von mir als Frau, dass ich rückwärts zurück auf die Straße gehe (denn ein spontanes In-Luft-Auflösen bekommt unsere Gattung leider immer noch nicht hin - obwohl dieser Wunsch an die Evolution ja wohl schon mehrfach geäußert wurde).
Ich riskiere also, dass mir mein Arsch abgefahren wird bzw. dass ich komplett umgenietet werde von einem wie immer spontan vorbeifahrenden Auto, damit die Nicht-Gentleman ungehindert ihren Weg fortsetzen können?

Und, ob Sie es glauben oder nicht, dies taten sie! Keine Reaktion auf meine Kavaliersfrage! Nicht ein Sterbenswörtchen aus den morgenmuffligen Mannesfratzen! Einfach nur plumpes, ferngesteuertes Weitertrapsen... Joah... Nee, is klaaa... Ich rief den beiden Trotteln noch ein scheißfreundliches "Gern geschehen!" hinterher nachdem ICH dann im Rückwärtsschritt aus der Lücke raus bin, aber dieses verhallte ebenso kommunikationslos wie alle anderen Worte meinerseits...

Und deswegen frage ich jetzt nochmal ins Universum hinein, ob Kavaliere heutzutage ausgestorben sind? Erwarte ich einfach zuviel von den heutigen Männern? Kann so ein metrosexueller Typ morgens nicht mehr auf den Fußgängerverkehr achten? Oder macht man(n) nur noch Platz bei einer potentiellen Tagesabschlussbegleiterin? Vielleicht war ich auch zu freundlich? Oder zu hochdeutsch? Hätte ich brüllen müssen "Eh, Du Opfer, mach daste ausm Weg kommst?" oder alternativ "Eh, verpiss Dich, Du Opfer!"? Hat man dadurch dann endlich die nötige gegenseitige Achtsamkeit erreicht? Oder sollte ich mir meine "überholten" Ansichten von gutem Benehmen einfach in die Haare schmieren? Muss ich morgens wirklich mit solchen Gestalten klarkommen?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe??? Erklär`sie mir - ich find`sie nämlich blöd!!!

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Samstag, 7. November 2015
Die arme, erkältete Tussi mit dem potthässlichen Wollschal in der überfüllten S-Bahn
Wer in der Erkältungszeit mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, der kennt das - man steigt in Bus oder Bahn ein und ein Erkältungsmief vom Feinsten erschlägt einen gleich unmittelbar nach dem Einstieg. Puh! Ich weiß, dass es viele Mitmenschen gibt, die bemerken dies ach so gar nicht. Dies sind dann aber meist auch jene ferngesteuerten Gestalten, die auf Grund des Smartphones in ihrer Hand sowieso nix mehr mitkriegen...

Jedenfalls bin ich in so einen miefigen S-Bahnwagon eingestiegen, bei dem leider auch schon von außen an den beschlagenen Fenstern erkennbar war, dass es innen höchstwahrscheinlich mollig verpupt ist. Ja, ich weiß - mein Fehler! Man muss dazu allerdings sagen, dass es sich zeitlich gesehen um Anfang September handelte bei der folgenden Anekdote aus der Rubrik "Arme verpimpelte Generation", und zwar gerade mal um den 3. Tag, der nicht mehr hochsommerlich heiß war...

Im Abteil angekommen suche ich also nach einem Sitzplatz. Am Fenster neben einer jungen Frau ist noch etwas frei. Mit im Vierer sitzen eine adrette Mitfünfzigerin, die ein Kreuzworträtsel löste und ein gemütlicher Bauarbeiter, der an seinem Kaffee-To-Go nippte. "Lassen Sie mich nur kurz eine Station lüften", sagte ich und öffnete das Kippfenster, "ich mache es dann gleich wieder zu". Danach setzte ich mich und freute mich auf meine morgendliche Sauerstoffzufuhr, denn die Luft stank wahrlich sehr verbraucht - alter Schweiß, noch älterer Knoblauch, viel ältere Käsefüße, eine Menge Erkältungsbalsam mit Menthol, Kampfer, Salbei usw., sie wissen schon - stimmt`s?

"Ich habe aber Halsschmerzen. Da geht das gar nicht.", motzte die junge Frau plötzlich neben mir und sprang wie eine Furie auf, um sofort das Fenster zuzudonnern. Womm! Und genauso womm ließ sie sich wieder auf ihren Sitz fallen. Die Leute ringsrum schauten erschrocken von ihren Smartphones, E-Readern und Zeitungen auf, weil das Fensterzuschlagen schon ordentlich gescheppert hatte.

"Was ist denn mit Ihnen nicht in Ordnung?", fragte ich diese wahrlich dusslige Kuh, "Die Luft hier drin ist unheimlich schlecht und ich lüfte bloß kurz.", entgegnete ich und machte das Fenster wieder auf. Der Bauarbeiter grinste verschmitzt, die Kreuzworträtselfrau hob die Augenbrauen an. Aber meine arme, verpimpelte Sitznachbarin packte die Kampfeswut! Sie sprang abermals auf wie ein Duracell-Häschen und schmiss wiederum lautstark das S-Bahnfenster zu.

Jetzt hatte auch der letzte Passagier mitbekommen, dass hier etwas im Gange ist. Um die ganze Szenerie aber genau zu beschreiben, muss ich drei Sätze über die Kleidung bzw. das, was sich die erkältete Tussi so übergeworfen hatte, verlieren. Als da wäre einen völlig verwaschenen, ausgeleierten, mal blaß lila gewesenen BH, der weder seinen Namen verdient noch seiner Ursprungsfunktion nachkam, darüber trug die geschmacklose Zeitgenossin ein ärmelloses, zerknittetes, durchsichtiges Tshirt, dessen Herkunft wohl in primarkischen Gefilden zu vermuten ist und ihren ach so erkälteten Hals umschlung mehrfach ein miefig-fettiger senffarbener Wollschal...

"Sagen Sie mal - merken Sie es noch?", fragte ich diese morgendliche Katastrophe. "Wer um diese Jahreszeit schon erkältet ist, der hat ganz offensichtlich einen Fehler gemacht! Gucken Sie sich doch mal an!", forderte ich die Frau auf und öffnete das Fenster ein drittes Mal. "Nur, weil sie im Kindergarten beim Thema Anziehen nicht aufgepasst haben, muss ich mich noch lange nicht bei Ihnen anstecken!", meinte ich und grinste kopfschüttelnd.

Aber der Senfwollschal ließ sich nicht beirren. Dafür grinsten mittlerweile alle beteiligten Passagiere und schüttelten u.a. mit dem Kopf. Der Bauarbeiter hatte sich intelligenterweise bereits etwas weggesetzt, dem war das wahrscheinlich zu blöd. Also sprang die Erkältete nochmals auf, schmiss das Fenster mit Riesenrums zu und trotzte dabei lauthals: "Das Fenster bleibt zu."

Na gut, Du olle Trine, Du hast Dich jetzt ausreichend zum Gespött gemacht, dachte ich über die Frau, ich werde dennoch nicht Deine Scheiß-Viren einatmen! "Das ist mir jetzt echt zu primitiv und asozial.", sagte ich ihr direkt ins Gesicht und stieg dann um in den nächsten Wagon. Ein Mann sagte noch "Richtig!", jemand applaudierte und eine andere Frau meinte "Die steckt wahrscheinlich noch alle hier an...". Die Kreuzworträtselfrau hat sich schlussendlich auch noch weggesetzt, sodass die Erkältungs-Tussi jetzt allein in einem Vierer-Sitz saß.

Vom anderen Wagon aus grinste ich dann nochmal in den Katastrophen-Wagon rüber und ein älterer Mann zeigte mir dann doch tatsächlich "Daumen hoch"! Was für eine morgendliche Begegnung dritter Art, dachte ich. Unglaublich diese Aufmachung und echt peinlich dieses Verhalten! In was für einer Gesellschaft leben wir bloß?!

Ist es nicht mehr "modern", sich gemäß des Wetters zu kleiden? Trägt man jetzt neuerdings seine Erkältung zur Schau? Muss man seinen verpimpelten Individualismus jetzt auch noch in der Öffentlichkeit ausleben? Ist es momentan wichtig, alles zu teilen - auch seine Viren, Bakterien und sämtliche Infektionen? Wenn diese Frau sich nicht in die Gegebenheiten des Öffentlichen Nahverkehrs einordnen kann - warum fährt sie dann nicht ein ebenso geschmackloses Auto? Da kann sie bei der Rundumlüftung alle ihre Viren mehrfach inhalieren und muss nicht die respektlosen Mitmenschen ertragen, die so dreist für frische Luft sorgen wollen. Und überhaupt - stirbt man jetzt, wenn mal kurz für eine Station etwas Sauerstoff in den Wagon kommt? Und noch überhaupter - warum bleibt diese blöde Zimtzicke nicht zu Hause, wenn sie doch ach so krank ist?

Und das ist dann auch noch die Welt, in der ich lebe - erklär`sie mir bitte, ich finde sie nämlich blöd!

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